Haithabu-Schuhe – endlich brauchbar!

Ich habe die letzten Jahre ein Faible für (Larp-)Schuhe entwickelt. Nachdem ich letzthin mein allererstes Paar wieder hervorgekramt habe, habe ich auch festgestellt, dass ich da durchaus Fortschritte gemacht habe: Von „Ich muss es selber machen“ zu „Es sieht okay aus und ist tragbar“. Dazwischen waren zwei zu klein geratene Exemplare, die schnellen vom Freitagabend und die nicht einmal im Blog aufgetauchten und noch nicht fertiggestellten „zu kleinen Schuhe„. Dabei musste ich mich neuen Begriffen (Brandsohle? Zwicken? Durchgenäht? Stossnaht? Sohlenleder?) und neuen Techniken beschäftigen, die ich zuerst oft einfach ignoriert habe… dabei wäre es auch da sinnvoll gewesen, sich etwas tiefer einzulesen als nur gerade die ersten beiden Google-Such-Resultate zu konsultieren. Irgendwo im Hinterkopf schwebten immer wieder Bilder, die aufzeigten, das es möglich sein müsste (Mein Lieblingsbild dazu).

Ein erstes Highlight ergab sich am Beringar 1 (Spielbericht), als ich mit selbstgenähten Schuhen auf den Gotthard wandern konnte. Ich kam beim Tempo der Mitwanderer mit und habe den Nutzen eines stabilen Wanderstabs das erste Mal direkt erlebt. Nun habe ich vorletzte Woche in rund 20 Arbeitsstunden ein weiteres Paar gemacht, auf das ich richtig stolz bin.

Vorlagen habe ich aus:

Und Techniken, Hilfestellungen und grundlegende Konzepte aus:

Ergebnis

Haithabu-Schuhe
Haithabu-Schuhe

 

Haithabu-Schuhe, ohne Lederfett

 

Ich bin stolz drauf, sehr stolz. Es tut mir leid dass ich eine Menge Leute am ersten Spiel, an dem ich sie trug, mit meiner Faszination beschwatzt habe, es war wirklich nur ein Zeichen meiner Freude – und vielleicht ein bisschen Anerkennungs-Hascherei.. 🙁 )

Es wird nicht das letzte Paar gewesen sein. Für diesen Sommer werde ich sie tragen und zwar so oft ich kann. Das nächste Paar wird allerdings nicht für mich, sondern für meine Freundin sein… sie hat Bedarf und ich habe immer wieder betont, dass sie von mir „hübsche Wiki-Stiefel“ kriegt, alsbald ich „brauchbare Schuhe“ nähen kann. Also ab jetzt.

Neue Beinwickel

Heissen die Dingers eigentlich Bein- oder Wadenwickel? Irrelevant, ich habe neue:

Beinwickel, Diamantköper

Detail des Musters:

Beinwickel, Diamantköper Detail

Dann kommt etwas Werbung: Gekauft habe ich sie bei einem Kerl, den ich tagelang den „irren Franzosen“ genannt habe: Am Tag der Bestellung kam die Bestätigung, alles sei wie auf der Homepage sichtbar lieferbar. Danach kamen im Zweitages-Takt Mails, erst von ihm, dann noch von der Französischen Post, immer hübsch mit Infos wo mein Paket sei. Im Paket nachher waren auch zwei deutsche (!!!) Zettel:

Marchand Médiéval

Ich vermute, er meint „Gutes Reenacten“ oder sowas in der Art. Auf jeden Fall bin ich bin den Dingern zufrieden und der Zettel hat mich besonders gefreut: Er kann zwar Deutsch, aber nicht so ganz alles richtig. Das hemmt ihn aber gar nicht! Seinen Shop findet man unter Marchand Médiéval, ich kann’s nur empfehlen.

Löffelschnitzerei

Löffel, unmodifiziert
In den letzten beiden Wochenenden habe ich mich erstmals an Schnitzereien an Löffeln versucht. Bei uns zu Hause lagen zwei Löffel rum, einen habe ich irgendwo gefunden, der andere ist von meiner Freundin. Ich kenne die Vorlage nicht und habe deshalb die originalen Modelle nirgends zuordnen können: Für mich war das ein Freischein für Basteleien. Zumal die Form auch fürs Essen kaum getaugt hat, mit diesem komischen Haken…

Das Ursprungsmodell ist wahrscheinlich das rechts im Bild, es kann m.W. bei Melbars Tröpfelhandel oder bei Ascarius bezogen werden. Im Originalzustand sieht er stark nach maschineller Anfertigung aus, daher habe ich als erstes die Form angepasst und anschliessend ein Muster in den Griff eingeschnitten.

Löffel, Form angepasst
Löffel, mit Schnitzerei
Löffel, mit Schnitzerei für meine Freundin

Ich bin ziemlich zufrieden, den meisten Aufwand machte leider das Nachschärfen der Schnitzwerkzeuge.

Rushose II – Schnittmuster und Nähhinweise

Vor fast zwei Jahren habe ich eine Rushose genäht, die seither für meine Wikingercharaktere und den Wolkowen gute Dienste leistet. Vorletzte Woche habe ich ein Stück feine graue Wolle (150cm x 180cm) aus meinem Schrank genommen mit der festen Idee eine neue solche Hose zu nähen. Schliesslich – so meinte ich mich zu entsinnen – kann ich einfach ein Schnittmuster zücken und „dasselbe in grau“ durchführen. Tja, das ging schief. Denn meine ursprüngliche Schnittzeichnung war für nichts gut – einfach nicht mehr gleich umsetzbar. Deshalb habe ich hier eine neue Schnittzeichnung und diesmal auch ein Schnittmuster. Diese Hose passt mir wunderbar. Zuerst das Schnittmuster:

 

Rushose Schnittmuster
Rushose Schnittmuster

Teile:

  • Bund: Ein Band, 104cm x 8cm
  • Gurtschlaufe: 6 Stück, ~5cm x 8cm
  • Einsatz: Ein gleichschenkliges Trapez, Grundlinie 17cm, nach oben auf 13cm verjüngt, bei einer Höhe von 12cm
  • Einsatz: Ein gleichschenkliges Trapez, Grundlinie 9cm, nach oben auf 4cm verjüngt, bei einer Höhe von 59cm. Das Ding ist hier auf dem Kopf gezeichnet, weil die beiden Trapeze so zusammengenäht werden.
  • Wadenröhre: Zwei Stück, Rechteck von 33cm x 42cm.
  • Bein: Zwei Stück – hier fehlt die Breite, die bei mir ~ 140cm war: Schliesslich soll es eine weite, pludernde Hose werden. Entsprechend wäre die Breite am Bund oben, ~140cm – 21.5cm und unten die vollen 140cm.

Nähen / Erklärungen:

Rushose Schnittmuster
  • Grün: Beide grünen Kanten ergeben zusammen in der Länge die blaue Kante
  • Rot: Beide Kanten müssen gleichlang sein. Ergibt sich durch das Messen vom Bauchnabel zum Steissbein.
  • Schwarz: Alle Kanten gemeinsam ergeben den Bauchumfang. Achtung, es sind insgesamt drei Kanten und die längste beim Beinteil zählt zweimal.
  • Violett: Alle drei Kanten sind gleichlang – sowohl der schmale Teil am Hosenbein als auch die beiden Stücke am mittleren Teil.
Graue Rushose Detail Faltenwurf
Graue Rushose Detail Beinröhre
Graue Rushose Nahtzugaben

Reihenfolge: Der lange/schmale Einsatz wird bei beiden Hosenbeinen in die rote Kurve eingenäht. Danach wird der kurze/breite Einsatz angesetzt: Die beiden Ecken an denen Grün&Violett aneinanderstossen, werden aneinander genäht. Zum Schluss wird die grüne (jetzt verlängerte) Linie an die blaue genäht. Damit ist der komplexe Teil durch. Oben werden die Hosenbeine an den Bund angefaltet und unten die Hosenbeine an die Wadenröhren. Wie die Hose sich aufbaut, zeigt der Vidforli-Blog ganz gut mit einem Papiermuster. Alle Nahtzugaben sind, damit sich allfällige Belastung schön verteilt und damit der Faltenwurf sich schön entwickeln kann, auf der Innenseite flachgenäht.

 


Fertig sieht es dann so aus:

Graue Rushose Front
Graue Rushose Rückansicht

Und, weil ich so stolz bin: Aus einem Stück, das 150×180 hatte, sind das die einzigen Reste, die noch über sind:

Graue Rushose: Reste

Mein ersten Larpschuhe

Ich habe sie, mit viel Elan, 2004 rum selber gebaut. Sie sind aus solider Eiche und aus Lederresten vom Polsterer um’s Eck. Ich bin irgendwie doch noch stolz drauf.

Erste Larpschuhe
Erste Larpschuhe
Erste Larpschuhe
Erste Larpschuhe

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist wie mit Trippen. Eigentlich eine ganz coole Sache, aber alles in allem schmerzhaft, wenn man lang drauf rumlaufen muss.

Heldengeschichten 6 – Terrakottasoldaten

Die HG-Orga schreibt:

  • Rüstung: Laminar, Brigantine, Schuppenpanzer, Gusoku (Samurai-Rüstung) in Brauntönen/Dunkel.
  • Kleidung: IT Gewandung in Brauntönen
  • Kopfbedeckung: Turban mit Maske oder geschlossener Helm (Gesicht bedeckt)

Weil dabei ein hübsches Bildchen von den Terrakotta-Kriegern als Vorlage dabei war, habe ich mich da etwas vertieft. Zum einen habe ich eine Pinterest-Pinwand angelegt (Das hilft immer. Wirklich!), zum anderen das im Haushalt vorhandene Buch „Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger“ zu Rate gezogen. Das Ziel war ein solcher „Rock“ / „Kaftan“, wie ihn diese Terrakottasoldaten tragen. Dabei sind ein paar Details wichtig:

 

Terrakotta - Details
Terrakotta – Details
  • Rot: Ich sehe keine Falten, obschon einige eher breitbeinig dastehen. Da ansonsten Stofffalten modelliert sind, hat es vermutlich keinen Faltenwurf im Rockteil, von der Hüfte an abwärts.
  • Braun (Linie: Übereinander geklappte Front.
  • Grün: Da verschwindet der Überschlag des Frontstückes zum Rücken. Weil der Kerl ein Bäuchlein hat (Ein MUSS, laut dem oben genannten Buch, das ist modisch – schön – attraktiv) vermute ich den Punkt ungefähr unterhalb des Rippenbogens.
  • Blau: Da wiederum sind Stofffalten zu sehen. Ich vermute, die Ärmel haben Überlänge.
  • Violett: Vermutlich sichtbar ist der Überschlag vom Frontstück. Ich vermute, dass die Schräge, die über die Brust verläuft, da abrupt endet und mehr oder weniger vertikal nach unten geht. Auf jeden Fall wird sie aber ganz nach hinten geschlagen.

Weiterhin gibt es beim grünen Kreis möglicherweise eine Art Verschluss, Bändel oder so etwas. Ich habe keine angenäht und bisher war es kein Problem. Daraus ergab sich ungefähr die folgende Schnittzeichnung. Dabei braucht es entweder die grünen oder die roten Keile, ob angeschnitten oder angenäht spielt hingegen keine Rolle:

Schnittzeichnung Kaftan

Daher ich, nicht wie geplant, grosszügig aus einer Wolldecke schneidern konnte, gab es ein bisschen Stückwerk mit plus-minus diesem Schnittmuster – die Masse sind für mich, aber ungefähr steht, was wo gemessen wurde.

Kaftan - Schnittmuster Terrakotta-Warriors
Kaftan – Schnittmuster Terrakotta-Soldaten

Nach einigem Gebastel schlich sich aber auch die Möglichkeit ein, dass der Kaftan eigentlich ganz anders gemacht wäre – und zwar ungefähr so:

Kaftan-Terrakotta2-Variante
Kaftan – Schnittmuster Terrakotta-Soldaten / Variante einfach

Dafür spricht, dass die Ärmel mit Überlänge natürlich das Viereck unter dem Arm / in der Achsel nicht brauchen. Auch der knappe Faltenwurf ist erklärbar. Und es würde sich viel besser mit dem schnellen Verarbeiten einer einzigen Stoffbahn erklären lassen, ebenso mit dem auffälligen Ende, das sich bei der violetten Markierung zeigt: Dort wäre einfach das Ende / der Anfang der Stoffbahn.

Fertig sieht es bei mir, mitsamt einem Turban aus Bomull und einem alten gestrickten Schal als Gürtel so aus:

NSC Ausrüstung Heldengeschichten
NSC Ausrüstung Heldengeschichten

Zeit und Geld, oder „Wie man auf beide nicht verzichten kann“

Wenn ich Liverollenspiel als Hobby betreibe, dann brauche ich dafür – vor allem im breiten, grossen und stark vertretenen Fantasylarp – ein Minimum an Ausrüstung. Bereits die Larpwiki-Seite für Anfänger hat überproportional viel Infos zur Ausrüstung zu bieten. Und oft hört man dazu, dass sich „dieses“ oder „jenes“ ganz einfach selber machen lässt. Oder dass man es günstig „dort“ oder „bei diesem Händler“ kriegen kann. Das Hauptproblem dabei ist, dass sich die Larp-Realität (Was für ein Ausdruck) stellenweise deutlich von der anderer Vorlagen – Film, Buch, Bild – unterscheidet. Was also genau „gute“ Ausrüstung ist, braucht schlussendlich Erfahrung, die sich weder auf Youtube noch im Larpwiki holen lässt. Es muss also von irgendwoher Ausrüstung herangeschafft werden. Dazu sind zwei Möglichkeiten vorhanden:

  • Einkaufen! Internetshopping ist ein Hobby, das definitiv glücklich machen kann. Für viel und wenig Geld kriegt man online zwischen historischer Unterwäsche und ledernden Kleidungs/Rüstungsteilen von Runa Rian alles. Schaumstoffwaffen aus Kanada? Kein Problem. Schuhe aus Italien? Kein Problem. Schuhe aus Kalifornien? Kein Problem, bei dem habe ich selber schon bestellt. Und „Alles, was man möchte“ gibt es bei lederkram.de. Auf jeden Fall basiert diese Variante auf Geld.
  • Selbermachen! Ob Nähen, Waffenbau, oder Liverollenspiele organisieren, für alles gibt es Anleitungen. Ob auf Pinterest, Youtube oder per Google-Suche, für Alles findet man irgendwo eine DIY-Anleitung. Es braucht Nähzeug, Nähmaschinen, Ledersonderspezialklebestoff und eine Tricot-Nadel. Vielleicht auch einen „Extra-Spachtel für Larpwaffenbau“. Auf jeden Fall basiert diese Variante auf Zeit.

Mit beiden Varianten kann man, ein bisschen Übung und Erfahrung vorausgesetzt, solide Ergebnisse erreichen. Leider aber scheint immer mal wieder die Idee durchzuschimmern, dass man auch ohne Geld oder Zeit etwas erreichen kann. Doch wenn man auf beides verzichtet, fehlt jegliche Grundlage um an eine Ausrüstung zu kommen, die sich optisch von einer Brockenhaustour, gemischt mit Alternativ-Style und etwas Cachet abhebt und halbwegs plausibel eine fremde Kultur darstellt.

Vor ein paar Jahren gab es über das larper.ning die „50 Tage 100€“ – Challenge, die mehrfach wiederholt wurde (Derzeit läuft etwas ähnliches für das Epic Empires). Dort gab es tatsächlich Leute, die mit wenig Geld viel erreichten. Auch ich selber arbeite oft mit geringem Budget und behaupte, dass meine Ausrüstung durchaus gut bis sehr gut gearbeitet ist. Doch daran ist ein Haken: Niemand der Challenge-Teilnehmer ist mit wenig Erfahrung gestartet. Alle, inklusive mir, mussten über Jahre viel Geld reinstecken (bzw. verlieren), ehe mit der Option Zeit brauchbar gearbeitet werden konnte.

Larp mit Geld geht, Larp mit Zeit geht auch. Mit Übung kann man eines der beiden durch das andere ersetzen: Geld sparen und viel selber machen oder Zeit sparen und viel kaufen. Aber ohne Zeit auch noch Geld sparen, bedeutet meistens einfach nur, dass man Schrott produziert und vor lauter Abstrichen kein Konzept mehr nachvollziehbar aufzeigen kann.