War ich Lagerorga im Landsknechtlager?

Ich bin seit Beginn Mitwirker im Landsknechtslager auf dem Drachenfest. In einer Mischung aus Warhammer, Histo und weiteren Anleihen versuchen wir, auf dem Drachenfest eine Söldertruppe zu bespielen. Unsere Stärke ist ein disziplinierter Haufen aus Langwehrträgern, dessen Grösse auffällt – im Lager hat es rund hundert Mitspieler.

Wie alle derartigen Projekte braucht es ein gewisses Mass an Organisation. Das Drachenfest selber gibt eine gewisse Struktur vor, mit den LPK (Lager-Platz-Koordinatoren) und den LBK (Lager-Bau-Koordinatoren). LPK verteilen den zugewiesenen Lagerplatz an die einzelnen Spieler, LBK sorgen für den Auf- und Abbau der Bauwerke, Palisaden und Ähnlichem. Im ersten LKL-Jahr hatten wir dazu noch eine sogenannte „Lagerorga“. Konzeptuell ist sie der „Larporga“ entlehnt: Sie managt alles. Zwischen „Wer spielt die notwendigen NSC“ und „Wer ist in unserem Lager“ entsteht ein Dunstkreis, in dem alles, „was ansteht“, von der Lagerorga entschieden wird. Sie ist de facto Spieldesigner des Lager. In den Folgejahren hat sich das Konzept „Lagerorga“ aber zerfranst: Niemand hat sich direkt als Lagerorga bezeichnet, trotzdem wurden Entscheide gefällt. Wie das?

Aus meiner Sicht gibt es zwei Varianten, ein derartiges Lager zu zu organisieren. Die erste habe ich oben beschrieben: Jemand, eine Gruppe oder eine Einzelperson zeichnet sich verantwortlich. Sie entscheidet, ob sie dabei die restlichen Mitglieder konsultiert oder nicht, spielt keine Rolle. Sie delegiert auch Aufgaben nach unten ab und ernennt Verantwortliche. Aus meiner Sicht ist das ein typisches Modell, fast alle Grossconlager benutzen es mehr oder weniger. Es beinhaltet, dass die Entscheide der Orga nicht transparent sein müssen, es aber können – Informationen fliessen alle über eine Zentrale, alle Anderen bekommen nur, was man ihnen gibt.

Wir im LKL haben mehr oder weniger ein anderes Modell benutzt. „Orga-los“, „Basisdemokratie“, wir haben nie einen Namen dafür verwendet. In seiner Grundstruktur besitzt es eine öffentliche Plattform, in unserem Fall ein komplett einsehbares Forum. Jedes Anliegen kann und soll im Forum verarbeitet werden, entsprechende Entscheide dauern lange und werden drei, vier Mal im Jahr auch auf einer mit Tagesordnung angekündigten Telefonkonferenz gefällt. Wer auch immer halbwegs in diesen Strukturen blieb und Aktivität zeigte, dessen Meinung erhält Gewicht. Man könnte es also auch ein Stück weit als „merokratisches Prinzip“ bezeichnen. Die „Macht“ liegt bei jedem, solange er Support organisieren kann, notwendige Projektleitungen werden jedes Jahr neu entschieden und vergeben – sogar wenn sie an die gleichen Leute gehen.

Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Ich bin selber nach all den Jahren im LKL der Meinung, dass wir ein gutes System haben, ich kann es echt allen empfehlen. Leider vermute ich aber seinen grossen Feind in der Routine. Und die schleicht sich langsam rein.

Warum schreibe ich das? Ich habe vor wenigen Wochen meinen „Job“ im LKL abgegeben, den ich seit Jahren hatte. Ich wollte festhalten, wie es aus meiner Sicht funktionierte und sich wie von anderen Systemen abgrenzt – es ist sehr gut möglich, dass im LKL durch den personellen Wechsel andere Entscheidungsmuster- und Systeme benutzt werden. Weiterhin kann ich jedem grösseren Lager empfehlen, einmal eine Weile lang mit einem „alle sind dabei“-System zu arbeiten: Nichts bindet Motivierte einfacher an ein Lager als der Verzicht auf Titel, Posten und fest definierte Zuständigkeiten. Und nichts lässt mich entspannter Loslassen als der Job „Lagerorga“, den ich ja nie innehatte. 😉

Sonntag – Besser als „Lord of the Rings“ – Orks!

Achtung, der verlinkte Artikel ist auf Englisch. Der Titel aber lautet ungefähr: Orks auf dem Epic Empires lassen Mordor wie spielende Kinder erscheinen. Was sagt man dazu?

Kommentar: Es ist „nur“ ein Online – Magazine. Aber das „deutsche Larp“ geniesst einen guten Ruf im Ausland, und nur schon aus dem Titel spricht der blanke Neid. Wo aber reden wir selber über unser Larp? Und damit meine ich nicht Aussagen in Foren wie „Das war cool!“, und „Wir haben uns amüsiert!“ oder gar: „Wann ist das nächste?“. Damit meine ich auch nicht diskrete Gespräche zwischen Tür und Angel am Sonntagmorgen, sondern ganz generell: Wo reden wir mit einem Schritt Abstand über unser Larp?

Spielbericht: Drachenfest 2013

PS: Solange mein Dateiupload spinnt, wollte ich warten. Habe jetzt aber einfach ein andere Lösung für Bilder genommen. Text ist also jetzt, zur Zeit der Veröffentlichung, Wochen alt…

Landsknechtslager, nochmals auf ein Neues. Im vierten Jahr haben sich mehr als hundert (100er-Grenze geknackt! Freude!) Leute versammelt, um als Themenlager “Landsknechte” auf dem Drachenfest ein Söldnerlager zu errichten. Ich selber war im Aufbauteam irgendwie dabei, anschliessend als Hellebardier für die rechte Flanke zuständig. Alles mal der Reihe nach.

Aufbau: Das Lager hatte wiedermal eine grosse, beinahe zu grosse Gruppe für den Aufbau. Wenn die Arbeit zu knapp ist – dieses Jahr stand renovieren, anpassen und verbessern auf dem Programm, dann stehen zuviele Leute herum. Das drückt auf die Arbeitsmoral jener, die arbeiten. Aber obwohl es gefühlt sehr schleppend lief, lief es gut. Dieses Jahr waren wir gegen Dienstagnachmittag präsentabel, nur einige Details blieben liegen. Bis nächstes Jahr wohl. Zusätzlich war der Abbau bescheuert – die Wartezeit der Traktoren/Hänger für den Transport von Lagerplatz zur Scheune konnte Stunden dauern. (Wir hatten den Luxus, dass das LKL nahe der Scheune war, und alles rübergetragen werden konnte)

Anwesende waren grösstenteils i.O. Noch mehr als letzes Jahr kam ein Gemeinschaftsgefühl auf – es spielte auf Platz keine Rolle, ob ein mir in der Stadt begegnender Landsknecht mir näher bekannt ist oder nicht, er ist halt einfach „einer von uns“. Noch mehr habe ich aber das Gefühl, dass ein gewisser „selbstreinigender“ Effekt auftritt, und das Lager sich – trotz der schon engen Strukturen – weiter homogenisiert und man sich spielerisch annähert. Der Konsens „Landsknecht“ wird enger, dichter und besser.

Das Konzept Landsknechtslager: Zwischen spielerisch umsetzbar und historisch angelehnt. Das Lager hat einen Obristen, der mit seinen Hauptleuten das Lager gegen Aussen vertritt. Seine Aufgabe ist es, Aufträge auszuhandeln. Die restlichen Spieler sind durchgehend beim Obristen angestellt, er nimmt sie Anfangs Spiel in Dienst und bezahlt sie auch aus.

Spiel Mittwoch – Freitag Ich bin dieses Jahr nur schwer ins Spiel gerutscht. Ich habe ja bewusst auf das Flötenspielen verzichtet, weil ich auch einmal hellebardieren wollte. Das Geviert, der Kriegsanteil und das Hellebardieren hat schon ganz gut geklappt, aber vielleicht wäre ein Pfeiffer doch mehr Wert gewesen. Einige unerfreuliche persönliche Vorkommnisse kamen dazu, aber ich habe mich auch über alte und neue Freundschaften gefreut. Leider hatten wir auch dieses Jahr wieder/noch Leute im Lager, die sich einen Dreck um andere scheren, aber perfekt wird’s wohl nie werden. Ich wurde – habe mich dazu gemacht – Herr der Sappeure. Das LKL versucht sich immer weiterzubilden, schliesslich wollen wir uns verkaufen, und dieses Jahr war es angesagt, die Gildenfertigkeit Sappeur zu erreichen. Wie Kanonen, einfach weniger Bastel- und mehr Personalaufwand. Lief auch nicht perfekt, aber unter dem Strich passabel. Ärger gab es wegen dem Geld und der wählerischen Haltung einiger Händler in der Stadt. Da muss was passieren, oder die brauchbare Geldmenge auf dem Drachenfest wird sinken.

Endschlacht: Kurz und knackig. Nur einen Bruchteil der Landsknechtschlacht gegen das OCL wert. Aber das Angebot des Silbernen war auf uns zugeschnitten, wunderschön simpel (Schnaps und Wein, Bildchen, Silber und Kupfer) und ansonsten war es wie immer. Einige des LKLs haben sich über nichtausspielende Gegner beschwert – ich stand offenbar anderswo.

Organisation: Ich hatte keine Probleme. Trinkwasser/Wasseranschluss war nahe, Dixies immer sehr sauber, Zufahrt/Abfahrt brauchbar, Ticketversand i.O. Abmachungen mit der Orga haben ebenfalls geklappt, genügend Zeltplatzfläche war da. Also kaum Beschwerden. Schien aber nicht bei allen Lagern so zu sein.

So, als Fazit ist es schwer. Die Summe der durchschnittlichen Einzelszenen war überwältigend, ich kam nach Hause und empfand das DF ’13 als das coolste DF welches ich je besucht habe. Ob das an den Mitspielern lag, am knappen Schlaf und der damit höheren Empfindsamkeit, ob das an mir, an der Oppa Luschek oder am Wetter lag – keine Ahnung. Vielleicht auch an der Eroberung des Orklagers?

Klara, Wilhelmine und Jacques
Klara, Wilhelmine und Jacques

Rückblick vom Grossconsommer, dritter Teil

Drittes dieses Jahr: Epic Empires. Mein erstes Mal in Bexbach, als Knecht des Herrn Edwin von Gent. Gerüstet mit wolkowischem Akzent, einer schnell zurechtgelegten Hintergrundstory und einer Hellebarde. Ich wusste nicht so Recht auf was ich mich einlasse, da ich noch nie mit dem Gent zusammengespielt habe. Auch das Pilgerlager, in welchem sich „mein“ Ritter angesiedelt hat, war mir unbekannt. Was ich wusste, waren einige Details.

Dann im Pilgerlager war ich eher zurückhaltend. Mit wenig Ahnung vom Ceridentum und von der Lyrienkampagne schien es mir besser, vorsichtig zu sein. Wer mich kennt, weiss aber das Zurückhaltung nicht zu meinen routinierten Tugenden gehört. So habe ich mich dann doch reingestürzt. Das Pilgerlager hat, wie ich finde, viel von einem Ceriden-Ambiente-Heerlager gehabt. Schade, aber trotzdem waren einige rechte Highlights da:

Feldscher Laslo

– Laslos Lazarett. Direkt neben dem Eingang des Pilgerlagers gelegen. Laslo hat mich schon vor Jahren mit einer Operation in Faszination versetzt. (Scaltyr-Saga I).
Mittlerweile stelle ich fest: Laslo (also, der Charakter) wirkt auf mich wie ein Handwerker. Er kennt seine Arbeit, und weiss dass sie dem Verwundeten hilft. Allfällige Schmerzen, die der Patient erleidet, die wünscht er nicht. Er weiss aber, dass sie notwendig sind. Wenn ich so etwas innert einem Spiel herausspüren kann, ist das ganz grosses Kino.

– Die OT-Disziplin und der Vertrauensvorschuss im Pilgerlager. Da sind ~30 Spieler, die alle wegen ihrem Spass gekommen sind. Und im Kriegsfall stellen sie sich ohne zu murren in eine Schlachtreihe, wie auch immer sie verlangt ist. Im Schnitt sind die Pilger mit Helmen und Hellebarden ausgerüstet, die Formation heisst Geviert. Doch der Vorschuss an Vertrauen gegenüber dem Hauptmann, dem kommandierenden Spieler, ist gross. Wenn er diese Leute in einen Pfeilhagel führt, bleiben sie stehen – bis er es bemerkt. Wenn er „Vorwärts“ sagt, werden die letzen drei marschieren.  Wenn er sich umdreht, und das Geviert aus der Flanke angegriffen wird – dann sterben Spiessknechte, ehe sie sich trauen, die Formation eigenmächtig umzudrehen.

Am Anfang einer grösseren Larpschlacht schon im Lazarett zu liegen kann Spass machen. Trotzdem macht es unbestreitbar ebensoviel Spass, Mitspieler mit Schaumstoffwaffen zu hauen. Daher bin ich erstaunt, wie selbstverständlich da ein Stück Spielspass in die Hände eins Mitspielers gelegt wird. Und es freut mich, dass dem so ist – Ich finde, Verantwortung beim Hauptmann schafft dort ein Stück weit Kompetenz.

 

Zu guter Letzt, was hat mir selber am meisten Spass gemacht? Der Tanz am St-Klara-Fest am Samstag. Aber das ich gerne tanze, ist kein Geheimnis. Das Duell in der Endschlacht, gegen einen helmlosen Rüstungsträger, der mit Schwert&Schild aufs Maul bekommen hat? (Von mir als einsamem Hellebardier). Es ist eigentlich der Moment, wo ich bei Laslo im Lazarett lag. Ich habe das erste Mal seit Jahren Spass an einer Verletzung gehabt. Noch weiss ich nicht, ob es die konventionelle Behandlung bei Laslo war. Ob es die Tatsache war, dass da absolut kein „Fun“-Faktor ins Spiel einfloss, kein „Sadismus“ des Chirurgen spürbar war. Ob es einfach ein guter Tag von mir war. Aber auf jeden Fall hat es mich geistig bewegt, so dass ich „Heilerspiel“ wieder als coolen und wichtigen Aspekt einfliessen lassen kann. Denn nachdem ich es jahrelang vermieden habe, freut es mich, dass eine Facette für mich wieder offen steht.

 

 

 

Rückblick vom Grossconsommer, zweiter Teil

Zweites dieses Jahr: Das Conquest of Mythodea. Dieses Jahr die Suche nach dem letzen Siegel. Ich war angemeldet, als Helfer der unermüdlichen, freundlichen, beinahe-alleskönnenden, wunderschönen, allersympathischsten Katharina Pfeilsticker, ihres Zeichens Händlerin. Also, Standhelfer, was mich eingebunden hat. Ein Abenteuerspiel wie das Conquest ist nicht von mir favorisiert, aber so war es mir scho‘ Recht. Bewaffnet mit der P&A Handelscompagnie, Silberpfennigen, Teilhaberscheinen und einer handvoll Soleks.

Soleks, Männermodell
Konzept war die Soleks zu verkaufen, als Geschäftsführer der P&A Compagnie. Für ebendiese Gesellschaft Teilhaberscheine zu zeichnen, und am Samstag an einer „Teilhaberversammlung“ Silberpfennige in die Welt zu werfen. Eigentlich ist das ganze eine Idee, wie man Geld verliert. Und wer unseren „Blödsinn“ mitspielt, der bekommt Geld. Ein Teil der Zeit ging aber auch als Standhelfer drauf, ich habe mich nur selten wirklich dort wegbewegt. Daher war das stationäre Konzept toll.

Was mir aufgefallen ist, ist das die Stadt – soweit es den Bereich der Händler und nicht die „Vorstadt“ betrifft, auf mich nicht mehr als Spielgelände gewirkt hat. Die Spieler, die sich in dem Bereich bewegt haben, schienen mir alle eher outtime zu sein. Auch ihr Verhalten und ihre Gespräche wirkten nicht spielbezogen. Ich habe mich eher in einer „Larp-Einkaufsmeile“ gefühlt. Alles in allem war ich nur zweimal bewusst im Spiel, alles andere war eher nebenbei Dummschwätzen. Das CoM hatte mit der „Larp-Mit“-Aktion zwar einen guten Schritt gemacht. Aber gerade in der Stadt, mitsamt der räumlichen Trennung zur Vorstadt, kam für mich wenig davon ab. Mit den Castellani und den Gilden habe ich wenig zu tun gehabt, ich vermute damit hätte man noch etwas mehr erreichen können. Als Standhelfer fehlte mir einfach die Zeit. Augenschmaus diesmal waren die „Feinen Herren“, die Strassengang weiter die Strasse rein, optisch eher uncool war unser Nachbar, der tragende Parfümeur. Ich sag‘ selten bis nie auf Cons direkt zu Leuten was zu ihrem Kostüm… aber so will ich niemanden bei uns sitzen sehen.

Eher interessant war die Anfrage des Filmteams, ob sie am Abend an unserem Esstisch drehen können. Auch wenn es am Schluss so war, das einer von uns (sprich, ich) zusammengeschlagen wird, und nicht wie angekündet der Besucher, fand ich es doch angenehm dass wir denen gut genug waren. Unser Gast, der „Hauptdarsteller der Aufnahmen“, der in voller Rüstung am Abend Glücksspiel betreiben kommt, hätte ich so auf Platz kaum angespielt. Und warum er praktisch sofort das Messer zieht, in einer Welt an einem Tisch voller ebenfalls bewaffneter Unbekannter, ist mir schleierhaft. Aber das Drehbuch lässt ihn davonkommen, der Dreh war angenehm gemacht und allfällige Unklarheiten sind nicht mein Punkt.

Ein Gang aufs Schlachtfeld war ebenfalls mal angesagt, mein einziger längerer Aufenthalt ausserhalb der Stadt. Kein einziger sichtbarer Spiesshaufen, mit Ausnahme der Untoten. Scheints zieht es Leute, die sowas schätzen nicht mehr aufs Conquest. Auch sonst, ich habe wenig Schönes gesehen – mit Ausnahme der optisch wie immer zusammenpassenden Männer des Grossen Heers. Pro Themenlager!

Hinterlassen hat das Ganze einen schalen Nachgeschmack. Zu weit weg um sich Aufwand zu machen, aber als Helfer zum zugucken lustig. Es war wie dieses Bild vom Drachenfuerst: Einzelne Lichtblicke in einem grauen Meer.

Rückblick vom Grossconsommer, erster Teil

Erstes dieses Jahr: Das Drachenfest. Dieses Jahr als 10-Jahres-Jubiläum. Ich war angemeldet im „Lager der freien Kriegsknechte“, auch als „Landsknechtslager“ bekannt. Charakter „Jaques Hammenbruch“, bewaffnet mit einem Schweizerdegen und vor allem der Querflöte.

Das Drachenfest an sich war völlig in Ordnung. Ich war nie auf einem verschmutzen Klo (Ich nahm die Dixies, rund fünfzig Meter vor den Wagen, da ging sonst keine Sau hin…), ich hatte immer mehr oder weniger warmes Wasser beim Duschen. Das Bier war erschwinglich und die Mitspieler – sofern angetroffen – freundlich oder aktiv spielend. Wie immer an den Grosscons, kreuz und quer war alles vermischt, von revolutionären Franzosen…

Revolutionäre Franzosen

…bis hin zu pharaonenhaften Gestalten. Mir passt das so, ich mag diese Durchmischung bei so vielen Spielern (Auf kleineren Spielen sieht das ganz anders aus). Die übliche Mischung aus Imitatkatzen und Dreispitzträgern. Durch die enge Einschränkung des Landsknechtslagers hatten wir eine sehr homogene Ausstattung, Saltzknechte, Pixners und Drakenhof 3 in klassischer Landsknechtsmanier, dazu Talhoffers Tross. Letzere im Vergleich zum Vorjahr bunter, farbiger und geschlitzer. Sah hübsch aus, die ganze Kolonne. Etwas stiefmütterlich behandelt schienen mir die Janitscharen, wobei diese sich auch optisch stark abheben.

Alles in allem hat es Spass gemacht, mit den Leuten um mich herum. Auf jeden Fall fahre ich da nochmals hin.

Das prägendste, tollste Erlebnis was ich jedoch hatte, war die Andacht für Korporal Schneckler. Ich erzähle die Geschichte kurz: 2010, eine Schnecke kriecht auf einer Handfeuerwaffe des Drakenhof drei herum. Die Knechte basteln ihr ein Barett und nennen sie „Korporal Hans Schneckler“. Im Laufe der Veranstaltung tritt jemand ausversehen auf das Tierchen. Auf verschlungenen Pfaden erreicht diese tragische Botschaft denjenigen, der die Grabsteine für den Friedhof auf dem Drachenfest herstellt. Im Laufe des Jahres gedenkt das Drakenhof 3 Schneckler, und eine Hintergrundgeschichte entsteht. Und auf dem DF 2011 steht da dieser Grabstein. Herzerweichend. Die Andacht dort, die mehr als 20 Spieler – mit einer Ausnahme junge Männer – beinahe zum Weinen brachte, mit einem Trauermarsch, einer Rede, schniefenden Landsknechten… das erste Mal seit Jahren hat mich an einem Liverollenspiel wiedermal etwas berührt. Emotionales Spiel ist nicht meine Stärke, und umso erschreckter war ich. Doch gerade die Absurdität der Szene – Trauer um ein Weichtierchen – hat mir gezeigt, dass ich es doch hinkriege. Wenn Umgebung und Anlass stimmen, dann entwickelt mein Charakter eben doch Gefühle, die sich klar über die Spieleremotionen legen.

Andacht für Kp Hans Schneckler
Andacht für Kp. Hans Schneckler

Jahresrückblick

…wird zwar eigentlich eine Schnapsmelange aus einer schaffhauser Küche genannt, aber ich werde das Mal zweckentfremden.

Mein Larpjahr hat mit „Schatzjagd im Düsterwald“ angefangen, und mit „Traumweber 3“ aufgehört. Dazwischen waren acht Spiele in der Schweiz und vier in Deutschland, insgesamt 14 Stück. Wobei zwei davon die Grosscons Drachenfest und Conquest of Mythodea waren. Eigene Spiele habe ich keine organisiert, Riedhburg hat pausiert. In gut der Hälfte war ich als NSC auf der Teilnahmeliste, darunter einmal als Räuberhauptmann „Josef Strauss d. Ä.“ und zweimal mit dem Wolfswesen-Kostüm „Rruad“. Einmal generischer NSC und sonst in Festrollen.

Was hat mir gefallen? Sicherlich die bodenständigen Spiele in Düsterwald und im Kantenland (Unter Ahlfelds Fahne). Nicht überwältigend hängengeblieben sind die Taverne im Sichelwald, das Heldenfest in Siebenstadt und die Kaiserwahl in Cendara, auch wenn ich von keinem als „Reinfall“ oder sonstwie abschätzig schwatzen würde. Sie haben alle Spass gemacht, und die ganz tollen Spiele erkenne ich daran, dass ich am Sonntag „eigentlich noch bleiben will“. Dieses Jahr ist mir das am „Weisse Taube“ und am „Ahlfeld“ passiert. Und toll in Errinerung habe ich auch das mit Sprengfallen verminte Zimmer auf der Rigi – Doppelmond 3 mit seinen selbstmörderischen NSC.

Am „Nebellegenden 12“ habe ich eine beängstigende Vorliebe für falsche Bärte entdeckt, und diese sofort in den Fotogeschichten von Riedhburg (als Vorbereitung zum Riedhburg 19) eingebaut. Dort war zudem eine gute Grundstimmung, und ich musste schnellstens lernen, wie man einen doofen Dialekt richtig anwenden. In der Jahresmitte habe ich zusammen mit Seegras als Möchtegern – Franzosen halbwegs schlechtes Französisch gesprochen – auch das war eine interessante Sache. Zu einen sehr anspruchsvoll durch die Mischung aus Schweizerdeutsch und Französisch, zum anderen durch unsere Aufgabe im Spiel als „Spiel“ der Landsknechte. Wir haben ja nie geübt, sondern sind einfach mit Trommel und Flöte losgezogen. In der zweiten Ferienwoche, am Conquest of Mythodea dann sind wir als P&A Handelscompagnie aufgetreten, und haben Soleks und Teilhaberscheine verkauft. Erstaunlicherweise hat gerade das mit den Teilhaberscheinen gut geklappt.

Ich bin der Meinung, dass die grösste aktive Kampagne in der Schweiz, das Kaiserreich Cendara einen grossen Vorwärtsschritt im 2010 gemacht hat. Das Reich wirkt – auch durch die NSCs, welche als Fürsten an der Kaiserwahl anwesend waren – kaum mehr wie ein lockerer Zusammenschluss einiger Organisatoren, sondern je länger je mehr wie eine farbige Spielwelt, ein Tummelplatz dutzender Kulturen und als Fantasy-Feudal-Reich.

Für das jetzige Jahr, 2011, sind auf meinem Kalender bereits vier Spiele notiert. Dazu will ich nach St. Ursanne zum „Marché Medieval“, einfach weil das Städtchen soooo hübsch ist. Was wünsche ich mir sonst noch? Wie immer, homogenisierte Spiele mit engem Bezug. Ein weiteres Traumweber, und ein gelungenes Riedhburgspiel im Mai. Und ein paar Tausend Franken, möglichst bereits in Wolle, Seide und Brokat. Ich nehm’s aber auch bar.