Spielgeld und Gedanken dazu (II)

Nach dem ersten Teil gibt es heute Gedanken zum Umgang und -lauf des Spielgeldes. Zuerst einige Grundregeln: Was ist Geld? Wikipedia meint lapidar: „Geld ist jedes allgemein anerkannte Tausch- und Zahlungsmittel.“ Selbes lässt sich auch für Liverollenspiel meinen, mit Geld (Silber, Münzen, usw.) meinen die Spieler ein „Tausch- und Zahlungsmittel“. Das sind üblicherweise Münzen-ähnliche Gegenstände aus Metall. Ebenso üblicherweise entstammt dieses Geld einem komplexem Kreislauf, bei dem Arbeit, Dienstleistungen, Bezahlung und Bedürfnisse zusammenspielen. Für Liverollenspiel schränkt sich das allerdings ein, denn beispielsweise Grundbedürfnisse werden üblicherweise nicht über Spielgeld abgegolten. Ebenso findet ein Teil des Geldkreislaufes ausserhalb des Spiels statt, deshalb ein Abriss des Ganzen:

Woher stammt das Spielgeld? Zwei übliche Quellen sind mir bekannt: Die Spieler statten ihre Charaktere mit Geld aus oder die Orga stattet das Spiel mit Geld aus. Zweiteres ist beispielsweise am Drachenfest üblich, drei Kupfer pro Charakter – Checkin.  Alternativ kaufen die Spieler es zu, beispielsweise bei McOnis Handelskontor oder durch eigenen Zinnguss.

Was ist es wert? Zwei Varianten: Die erste sind Listen, auf denen der Ersteller des Hintergrundes angibt, wie er sich seine Welt vorstellt, beispielsweise bei der Cendara-Kampagne. Die zweite Variante ist der Praxis näher „Jedes Ding ist wert, was der Käufer dafür zahlen will“. Das bedeutet aber auch, dass eine spielerische Schnittmenge zwischen Käufer und Verkäufer entstehen muss, die – wie anfangs angesprochen – der Ware Wert zumisst. Am häufigsten sind mir bisher Mischformen beider Varianten begegnet.

Was ist der Zweck von Spielgeld? Erstens natürlich soll es als Wert-Gegenstand, als Handelsware dienen. Zweitens, und das ist der wichtigere Punkt: Spielgeld soll das Spiel bereichern. Es dient als Artefakt, das der Erzeugen eines Spielangebotes hilft dienen, es soll als Stütze der Interaktion zwischen zwei Spielern bereichernd sein. Beispielsweise: „Wenn du mir hilfst, die drei Diebe zu entlarven, gibt’s drei Silberstücke. Na, interessiert?“

Wo geht es nach der Beschaffung hin? Idealerweise: Es wandert während der klassischen Wochenendveranstaltung von reichen Charakteren zu armen Charakteren. Es ist die Spende für Bettler, der Kauf von Keksen, die Bestechung von Wächtern usw. und dient dabei als Requisit für Rollenspiel. Dummerweise schwindet die Geldmenge aber ständig:

  • Während sich die elegante Lösung, dass man sowohl arme als auch reiche Charaktere spielt und sich somit querfinanziert, aufdrängt, bespielen aber nicht alle reiche und arme Charaktere – Spielgeld bleibt zur „späteren Verwendung“ zu Hause.
  • Die Larpszene hat eine hohe Fluktation, vermutlich liegen in zahlreichen Haushalten von ehemaligen Spielern noch Spielgeldreste.
  • Charaktere – und Spieler – planen voraus – man könnte ja noch Münzen später brauchen. Und so geht viel „potentielle Kaufkraft“ am Spiel verloren, bis am Sonntagmorgen die drei Startmünzen in den Rucksack zur Heimreise wandern. Sie wurden schlussendlich doch nicht gebraucht.
  • Bei der gleichmässigen, nicht charaktergebundenen Startgeldvergabe bekamen auch der Schamane und die beiden Elfen Startgeld. Es blieb unangerührt, weil das Charakterkonzept kein Geld vorsah. Und weg sind’s…
  • Die Münzen waren richtig cool: Ein Teil der Spieler hat welche als Erinnerungsstücke eingepackt, gerade weil die Orga betonte, „man habe nur knapp hundert Stück gemacht!“
  • Ein Spieler, der nur alle zwei Jahre auf ein Spiel fährt, hat einen Grossteil erspielt. Der Charakter, obschon unbespielt, bleibt anderthalb Jahre lang reich… und alle anderen in der generischen Spielwelt Agierenden haben die Münzen nicht zur Verfügung.

Warum ich trotzdem darüber schreibe? Trotz all dieser Punkte steckt im Hinterkopf manch einer Orga und mancher Spieler eine kompletter Wirtschaftskreislauf: Verdienst, Kapital, Arbeit… je nach Wissenstand bunt gemischt mit historischem Wissen und schnell einmal sind vier Asse der Grundlohn des Landsknechts. Deshalb, hier noch einmal klar gesagt: Es gibt auf einem Liverollenspiel keinen kompletten Wirtschaftskreislauf, es können bestenfalls Teile simuliert werden. Und hier ist die Orga in der Pflicht: Sie kann die Geldmenge auf genau eine wirksame Weise beeinflussen und zwar durch das Ausschütten von mehr Geld. Münzensammler, knappes Startgeld, Zurückhalten von Ausgaben und langfristig abwesende Spieler – alles kein Problem, die dem Spiel zur Verfügung stehende Menge an Münzen bleibt hoch genug. Denn der Zweck des Spielgeldes darf nebst all seinen interessanten Zusatzfunktionen nicht untergehen: Es soll Spielsituationen erzeugen helfen.

Daraus mache ich zwei Aussagen: Als Spieler sollte ich mit meinem Spielgeld auch spielen: Ausgeben! Konjunktur ankurbeln, etwas bewirken! Spielgeld erzeugt keine spielerische Handlung – als deren Stütze es dienen sollte –  wenn es im Geldbeutel liegt, sondern dann, wenn es als Gegenwert für etwas gehandelt wird. Zweitens, als Orga sollte ich mein Spiel mit viel Geld ausstatten, denn nur wenn die üblichen Ablaufkanäle, in denen das Spielgeld zwangsläufig versickert, gesättigt sind, verbleibt genug um dem Zweck zu dienen. Kurz und knapp: Viel Geld und grosszügiges Ausgeben ist das Ergebnis der Beschäftigung mit dem Kreislauf des Spielgeldes.

 

 

College of Wizardry II

Was ist das?

Das College of Wizardry ist ein Liverollenspiel in Polen, eine polnisch-dänische Koproduktion die zuerst direkt, mittlerweile aber nur noch sinngemäss auf Harry Potter basiert.

Warum „II“ im Titel?

Bereits an der ConTakt haben wir das Video von Claus Rasteed gehypet, deshalb basiert der Beitrag lose darauf. Leider-leider ist aber der eigentlich Anlass nächste Woche das „CoW 4“, dicht gefolgt von „5“ und „6“…

Was mache ich damit überhaupt?

Leider schreibe ich nur darüber. Ich habe während des Semesters keine Zeit, nach Polen zu fliegen – die Präsenzregelung meiner Hochschule ist nicht unbedingt darauf ausgelegt, dass irgendjemand irgendwann fehlt. Somit werde ich dann in den Präsenzlisten unterschreiben gehen müssen. Allerdings geht Isa von Carusoworld hin und bastelt seit Wochen dafür. Ich darf zusehen. 🙁 Also beschäftige ich mich geistig ständig damit.

Zusammenhänge?

Viel zuviele. Ich habe der indiegogo-Kampagne gespendet, bzw. den Perk „Your Own House Portrait“ gekauft. Ich wollte schon immer à la Dumbledore aus einem Bilderrahmen lachen, während Studenten der Magie in den Gängen rumwuseln und sich vor dem Hausmeister, den anderen Häusern, den Lehrern (vor wem läuft Harry eigentlich nicht weg, während seiner Hogwartszeit?) und magischen Untieren verstecken. Ich bastle jetzt am Zauberstab (mit LED!) meiner Freundin rum. Ich stecke ominöse Kleider meiner Freundin ab, die aus meiner Sicht an Luna Lovegood erinnern. Ich gucke weitere Videos von Rasteed und dem Spiel. Zwischendrin habe ich einen Job und eine Vollzeitstudium, manchmal bastle ich auch etwas…  und statt Cons zu besuchen – die Situation in der Schweiz ist sehr mager, derzeit – informiere ich mich über Liverollenspiel ganz allgemein. Dabei entstand der Artikel über österreichsche Bastler, der Linkbereich wurde etwas verändert und… dann ist da ist noch Mo Mo O’Brien aus Kanada. Ich gucke ihren Vlog hin und wieder, genauso wie den ihrer Kollegin. Aber dann kam Mo Mo und meinte, dass sie die Möglichkeit hätte, ebenfalls nach Polen zu gehen… Ticket gratis. Fürs CoW. Leider wohnt die Frau in …. Ontario? Das Dilemma wird dann verarbeitet:

 

Naja, wie könnt’s auch anders sein: Ich habe auch da gespendet. Diesmal aber nur 5$, mehr lag einfach nicht drin…. Aber es freut mich, dass sie es geschafft hat. Das einzige, was wieder nicht dabei raus springt ist irgendwas für mich. Ich freue mich also auf die Spielberichte und Fotos eines Spieles, dessen Existenz seit Monaten in meinem Kopf ist und an dem ich nicht teilnehmen kann. Ziemlich frustrierend, kann ich also sagen…

Daraus folgere ich:

  • Wenn klar ist, wozu das Geld dient, bin ich spendabler. Ob ich es aus Vorerfahrung oder per Homepage herausfinde, sei erst einmal nebensächlich.
  • Meine Hackfresse ist nichts für Vlogs. Ich muss mich auf Schreiben verlegen. Ob Jupp aber vielleicht einmal seinen Podcast-Plan umsetzt….?
  • CoW: Mit dem richtigen Team und einer Vision läufts. Ich suche noch die Vision…
  • Jens Scholz mit seinem „Das deutsche Larp redet nicht über sich!“ hatte vielleicht wirklich recht – warum hallt das CoW oder vergleichbare Projekte so wenig bei uns nach?
  • ..
  • .
  • Larp ist auf Con. Ich war diesen Herbst wenigstens noch am Unland, wenigstens dazu reichte das Geld…

 

Spielbericht zum Unland folgt bald oder nicht. Vielleicht verprochen!

Larp ist auf Con!

Im Umfeld der Cendarakampagne ist ab und an der Vorwurf entstanden, dass zuwenig Hintergrund definiert sei. Das Problem wird von Ecthelias ganz gut zusammengefasst: Entweder etwas wird definiert, dann eckt wer an (Weil er lieber ne eigene Sache durchziehen will). Definiert man nichts, dann wird bejammert, das man keine Grundlage habe.

An der Stelle ein Einwurf von mir, der die meisten Hintergrundschreiber betrifft: Es ist mir schnurzegal, wie alt die Religion ist, wie die Kloster- oder Priesterstrukturen sind. Es ist mir egal, ob „die meisten Einwohner“ Bauern sind. Es ist mir komplett egal, was die Gründe und Ursprünge für das Land/die Nation waren. Denn wie es der Titel schon sagt: „Larp ist auf Con„. Es gibt Leute, die sollten endlich lernen, dass die ausgefeilten Hintergründe niemandem nutzen. Dass fantasievolle Geschichten unerzählt auf Homepages nichts verbessern. Am Spiel selber sind andere Details viel wichtiger, z.B. dass Charaktere im ersten Eindruck zeigen, was sie sind. Ein Con dauert häufigst nur vom Freitag bis zum Sonntag, zuwenig Zeit, um das Wissen über Exportgüter des Nachbarlandes einfliessen zu lassen. Wie die eigene Religion gegenüber Bettlern eingestellt ist, und wie man sich ihnen gegenüber verhält ist wesentlich spielfördernder. Wenn die „Mehrheit der Leute im Land Bauern sind“, dann sollte das auch auf Con eine Rolle spielen, wenn schon nicht die Mehrheit Bauer spielt – sonst nutzt die Information alleine dem Ego derer, die sie schreiben. Wenn der Hauptexport der Region Erz ist – dann nützt das niemandem, wenn der Plot ja wichtiger ist.

Ich will nicht sagen, dass alles offenlassen klüger ist. Aber Aktionen, welche am Spiel getätigt werden, sind sinnvoller als Hintergrund, der unsichtbar bleibt. Investiert die Zeit besser in die Umsetzung einiger täglicher Abläufe und Verhaltensweisen, meinetwegen auch in thematisch geordnete Kleiderkulturen. Da kann sie nämlich jeder sichtbar benutzen, der sich der Sache anschliessen will. Und wer eine ausgeklügelte Magietheorie, wie sie im Lande funktioniert, auf der Festplatte hat – vielleicht auch nur, weil sie noch unklar ist – der kann sich nicht darüber aufregen, wenn am Spiel dann anderst gezaubert wird. Auf Con wird nämlich auch definiert, nicht nur umgesetzt.

Am Samstagsloch sind die Spieler schuld!

Ich freue mich normalerweise auf ein Spiel. Manchmal fast ein Jahr lang, manchmal sagt mir mein Kalender, dass ich mit Charakter X ja in zwei Wochen am Spiel Y bin. Und noch vor ein paar Jahren, als ich ein Frischling war, habe ich mich jeden Abend mit vollster Energie ins Getümel geworfen. Jeder NSCs wurde ausgefragt, jeder Angriff beantwortet und jedes Fitzelchen Papier wurde genaustens unter die Lupe genommen  (Oder mit Waffengewalt nur für den gruppeneigenen Gelehrten zugänglich gehalten). Gegen vier Uhr morgens ins Bett, und um neun Uhr bereits wieder dasselbe von vorne. Doch meistens gegen Mittag, ~12 – 14 Uhr, verlangte mein Körper eine Pause. Ich war halt doch nicht so ein harter Kerl wie mein Charakter. Müde am Tisch sitzend, faul, spielinterne Befehle ignorierend wurde ich zu einem Fall für das Samstagsloch.

Heute bin ich gescheiter. Ich gehe vernünftig zu Bett am Freitag und stehe am Samstag erst auf, wenn ich 6-7h geschlafen habe. Denn so wie ich vor Jahren machen es auch andere noch. Sie geben Vollgas, statt sich und ihren Körper halbwegs zu kennen. Denn das Samstagsloch wird durch ebengerade diese Spieler hergestellt, die ihren Charakteren mehr zumuten als sie als Spieler bieten können. Spielspass entsteht nicht nur, indem man immerzu und bei allen Aktionen (ob sie durch Spieler oder Orga herbeigeführt werden) mit dabei ist. Spielspass kann sich auch über den Samstag erstrecken, wenn man sich bewusst ist, dass „Spielen“ Aufwand ist und somit Ressourcen braucht. Wer sich verausgabt schadet am Samstagmittag dem Spiel, weil er nicht mehr mitspielen kann.

Genauso sollten sich Organisatoren und Spielleiter im klaren sein, wieviel sie ihren Spielern zumuten. Das Samstagsloch wird durch „mehr Plot“ nicht etwa entschärft. Es wird gestützt.

Landeshintergrund

Larpländer gibt es wie Waffen an Grosscons: Viel, viel, noch mehr, und ’ne ganze Menge davon ist Unsinn und Schrott! Das ist ganz einfach erklärbar, denn aus irgendwelchen Umständen sammeln sich im Hobby Liverollenspiel eine grössere Menge an Einzelgängern und Individualisten. So schaffen sich vielzuviele einen eigenen, dem eigenen Spielstil (und von den letzen beiden gelesenen Fantasybüchern beeinflussten) Hintergrund zusammen. Zeichnen ne Karte, legen drei Städte fest, und am Ende endet es wie beim Projekt „RARP“ (2006/Schweiz), wo sogar die „Exportwaren“ verschiedener Provinzen eines Landes festgelegt waren. Und per *.doc an die Spieler verschickt wurden. Himmelarschundzwirn.
Auch andere Details kommen schnell mal. Sachen, die im papiernen Abenteuer gut funktionieren, werden einfach einmal eingebaut. Schnell einmal wird ein Landes- oder Gruppenhintergrund gross, beinhaltet alles was „wichtig“ ist, und bietet dem geneigten Anfänger viel Informationen. Doch das eigentliche Spiel ist nicht auf einem pdf, einer Homepage oder im Gruppenforum. Es ist auf dem Spiel selber, und erst dort bemerkt man allfällige Defizite.

Als nettes Beispiel:
Graf Alrik und seine vier Mannen wissen zwar, dass ihr Land 87% des Einkommens per Wollhandel verdient, und der eine anwesende NSC-Bauer weiss, dass er Wolle herstellt. (Er pflanzt sie natürlich 😉 ). Der Ritter Ulrich auf demselben Spiel trifft den Grafen, und wird von diesem als Raubritter betitelt, der Bauer will dem Ritter helfen, und am Schluss des Gerangels liegt der Ritter tot am Boden. Daher es der Graf Alrik war, und der Ritter „ja eh ein Raubritter war“, ist alles rechtens. Nur der Bauer (Alrik) ruft aus – aber er ist ja nur ein Bauer.

So etwas kann nur in einem Liverollenspiel passieren. Denn was der ganzen Szene fehlt, sind die Zehn Gebote! Was Moses vor Jahrtausenden schon bekam, kriegt der Durchschnittsspieler nicht. Denn: Er will auch gar nicht. Denn das würde ja die persönliche Fantasyie einschränken, und es wird dann doch vielzuviel mit all den Gesetzen.

Zu einem stabilen Hintergrund gehören nicht nur ein toll klingender Titel eines Fürsten und eine Karte online. Nicht nur der Beschrieb eines Status‘. Sondern auch die Gründe und die Herkunft des Ganzen – und somit eine in sich möglichst passende Logik.

Auch ein unfairer Herrscher kann erst unfair werden, wenn er gegen bestehende Regeln verstösst – aber ohne diese ist er gleichzeitig Despot, Gewaltherrscher und weiser Staatsmann mit gütigem Gesicht. An einem Spiel, das von Klischees leben kann, eigentlich unmöglich.

Ich finde, es braucht an einem Liverollenspielhintergrund einige Grundsätze, einige Gesetze. Nicht nur die Willkür der Anwesenden, und nicht nur die aktuell aus dem Spielverlauf wichtigen Sachen. Denn ansonsten ergibt sich, wie schon beschrieben, eine Adaption der bekannten (OT, westlich-„christlich“) Werte und Regeln.

Breite und Tiefe eines Spiels

Ich schreibe sorgfältig auf, an welchen Spielen ich war, was ich dort gespielt habe, und wann es war – zumindest mache ich das sorgfältig, seit ich bemerkt habe, dass ich bei gewissen Spielen nicht mehr mal sicher bin, in welchem Jahr sie stattgefunden haben. Kanns geben, aber etwas peinlich ist es mir ja schon.

Und jetzt sammeln sich langsam einige Charaktere an, die mehr als nur ein, zwei Spiele gespielt wurden. Und langsam mag ich entsprechende Rollen auch, so dass ich mich dabei erwische, wie ich bei der Ausschreibung im Larpkalender abchecke, ob ich „als Yori“ hingehen kann, oder vielleicht mit dem Reisläufer Nathan. Doch nicht immer bin ich mir sicher, ob es passt – die Ausschreibungen im Larpkalender sind meistens etwas mau. Gleichzeitig errinere ich mich gerne an mein intensivsten Spiel, „Swiss Guantanamo“. Und bei ebendiesem hatte ich absolut keinen Einfluss auf auf meinen Charakter, ich bekam ihn vom Organisator zugeteilt.

So stehen sich meiner Meinung nach zwei ganz grosse Brocken gegenüber: Ein intensives Szenario, in dem die Charaktere aufeinander zugeschnitten sind (Szenario hat viel Tiefe), und ein intensives Charakterspiel, in dem das Szenario auf die Charaktere zugeschnitten ist (Charaktere haben (bereits) viel Tiefe). Beides hat Vor- und Nachteile. Während ersteres, ich nenne es jetzt mal „Szenario-Spiel“ eine gewisse Spontanität der Spieler erfordert, braucht letzeres, nenn‘ ich jetzt mal „Charakter-Spiel“, einen guten Informationsfluss von Spielern zu Organisatoren.

Die Vorteile beider Systeme liegen auf der Hand. Während „Szenario-Spiel“ das Ganze für den Organisator leicht lässt – er weiss, was alles an Potential vorhanden ist, ist das „Charakter-Spiel“ für die Spieler ansprechender, denn sie können Stammcharaktere mitbringen. Die Nachteile beider Systeme sind schwerer zu erfassen. So war es für mich bisher immer klar, dass ich mir einen zur Spielausschreibung passenden Charakter erstelle/adaptiere, damit ich auf Platz mich möglichst passend ins Spiel einbringen kann. Doch offensichtlich ist das nicht die Regel – zumindest in der Schweiz nicht – und ab und an stand ich völlig falsch da. Oder sah Andere falsch dastehen:

Heldenfest – Alle Anwesenden, die tatsächlich als Helden da waren…
AdAsburdum1 – Alle, die sich tatsächlich auf eine Gräfin und ihre Jagd eingestellt haben…

Beide Beispiele hat die Orga einen Plot geschrieben, der gegenüber der Ausschreibung Vorrang hatte. Beide Male waren Überraschungen eingeplant – und beide Male waren die Spieler, welche ihren Stammcharakter mitgebracht haben begeistert. Oder mindestens eher begeist als jene, die sich auf die Ausschreibung eingelassen haben. Was will ich damit sagen?

Zum einen, dass es auf die Dauer der Spielerschaft selber schadet. Wenn man zu jedem Spiel seinen Stammcharakter mitbringen kann, wird das Charakterspiel einen bedeutend höheren Stellenanteil bekommen als das „Szenarien bespielen“. Es besteht ein Risiko, dass man nicht mehr wegen des Spieles hingeht, sondern um die Charaktere (Oder die Spieler) wiederzutreffen, die man kennt. Zum anderen werden die möglicherweise intensiveren Szenarien nicht mehr angeboten – denn was niemand kennt, spielt auch niemand. In diesem Sinn lobe ich jedes Organisationsteam, welches restriktiv Charaktere ablehnt, und das zugunsten eines tieferen Spiels.

Für: Weniger Waldläufer im Tanzsaal – Weniger Hochadel in Tavernen – Weniger reine Unterhaltungscharaktere an Kriegsspielen.

Münzen und Grünspan

Die Larpwelt kennt heute meistens die Münzen in Kupfer, Silber und Gold. Ein Relikt aus dem P&P mit einem guten Schuss Geschichte drin. Sowohl Kupfer, als auch Silber und Gold würden durch die Jahrhunderte in verschiedenen Arten zu Münzen geschlagen. Kupfer vorrangig im Altertum und ins Frühmittelalter hinein, Silber und Gold durchgehend bis ins 20. Jahrhundert.

Herstellen für Liverollenspiele lassen sich die drei Arten unterschiedlich gut. Vom technischen Aufwand her am einfachsten ist Silber herzustellen – durch Zinnsoldatenguss ist das entsprechende Wissen gut und einfach verfügbar. Zinnguss als Silbermünze kann man als etabliert und brauchbar bezeichnen. Für fast alle anderen Metalle benötigt man bedeutend höhere Temperaturen, oder muss auf Farben oder Galvanisierung zurückgreifen. Kupfer lässt sich prägen, dazu sind allerdings Kosten vonnöten, die über das Budget eines Liverollenspielvereins oder einer Orga hinausgehen. Allenfalls die finanzstärkeren Grosscons oder Händler können sich so etwas leisten.

Gold hingegen muss auf Legierungen zurückgreifen, um den Glanz annähernd zu imitieren – auch hier spielt der finanzielle Aspekt mit, und verhindert vieles.

Ich hatte letzhin eine Diskussion mit einem anderen Spieler aus der Schweiz über den Sinn und Unsinn von Silber in Zinnguss herzustellen. Meiner Meinung nach ist die Rechnung sehr simpel: Die Menge an Spielern steigt, und somit auch der Prozent- (Besser; Promille-) satz an Zinngiessern. Somit steigt die Menge an Silbermünzen in der Szene. Kupfermünzenquellen hingegen wachsen nicht gleich – der Aufwand sorgt dafür, dass Kupfer seltener hergestellt wird. Dann allerdings in grösseren Mengen. Somit wird, mittel- bis langfristig, das Silber abgewertet (Es hat mehr davon im Spiel), und das Kupfer aufgewertet (es hat weniger im Spiel).

Die Rechnung geht nicht ganz auf, es spielen eine Menge Faktoren mit – und der wichtigste davon ist das Verständnis der Spieler von ihrem Geld. Denn, ähnlich wie bei Liverollenspielmusik, spielt Outtime-Denken eine gewisse Rolle. Spieler freuen sich über hübsche Münzen, denn sie dienen auch als Andenken. Für einige sind 10 Kupfer auf die Hand mehr Wert als ein Silberstück. Gewisse Dienstleistungen bekommt man nur für Kupfer – auch wenn man bereit wäre, Silber zu bezahlen. Gewisse Spieler bevorzugen Silber.
Das ganze Wirrwarr wird durch unser (OT-)Denken der freien Marktwirtschaft gestützt: Spielgeld ist soviel Wert, wie ihm die Spieler – nicht die Charaktere – an Wert zumessen. Auch hier sind natürlich Ausnahmen immer wieder zu finden. Erfahrungsgemäss von mir knicken viele Charaktere bei grösseren Mengen an Münzen (ungeachtet des theoretischen Wertes) ein. Fünf Silber anstelle eines Kupfers sind durchaus auch bei Spielern möglich, die ersteinmal kein Silber annehmen wollten.

Bisher hat es keine Spielleitung gewagt/gemacht, fremdes Geld zu verbieten. Nicht einmal Nischenspiele wie DSA haben komplett nur eigenes Geld im Umlauf. Geschweige denn Spiele, die allen möglichen Konzepten offen stehen.

Auch das Anhängen an die realen Werte happert; Gold ist bei 40’000.- / Kilo, Silber bei 600.- / Kilo und Kupfer bei 7.6.- / Kilo. Das würde ein Verhältnis von 5263 : 79 : 1 (Gold:Silber:Kupfer) ausmachen. Daher ich das Zinn verwende, (21.5.-/Kilo), wäre eine meiner Zinnmünzen 2.8 Kupfer wert. Die Preise hab ich schnell-schnell aus dem Internet gezogen, daher keine Garantie drauf.

In diesem Zusammenhang, und aufgrunde ebendieser Theorie entstand die „IG-Gruenspan“

IG Gruenspan

Nicht ganz ernstgemeint, aber ein akzeptables Schlagwort.