Lieder, Filk und Folk

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2005 habe ich mir für ein Spiel einen neuen Charakter erschaffen: Yori Mermel Kupferkraut. Seines Zeichens Tikonier, Musiker, Dieb und Kaffeekocher. Dafür habe ich eine Menge an Liedern gelernt, die ich am Anfang grösstenteils von Aurelies Liederseite hatte. Dazu ein paar Lieder der Streuner, etwas Schandmaul und gut wars. Ich hätte, aus heutiger Sicht, besser die Larpwikiseiten “Bardenproblematik” und “Charaktertipps/Musiker” gelesen und beachtet. Später hat sich mein Interesse an Larpmusik verringert und ich habe erstmal wieder einen Auslöser gebraucht, um mich damit zu beschäftigen. Voilà: Dieses Jahr, 2013, am Drachenfest hat das Drakenhof 3 ein neues Lied gesungen, “Stirland muss hier enden” heisst es. Von kundigen und unkundigen Dichtern wurde da der Dixie-Song The Southern Soldier auf die ehemalige Provinz Sylvania im Imperium Karl Franz’ umgemünzt. Nette Idee, ich finde gerade bei grösseren Kampagnen lohnt es sich, gezielt Lieder für den Hintergrund zu schreiben. Doch bei diesem Lied entstanden vor meinem geistigen Auge ständig Bilder von Stonewall Jackson, Robert E. Lee und Abe Lincoln. Egal wie, wo und was, mein eigenes Interesse und mein Wissen haben es mir versagt, in diesem Lied einen Spielteil zu sehen – es war für mich einfach schon mit einem OT-Thema verknüpft.

Alle Aktionen und Dinge auf einem Liverollenspiel sollten möglichst Niemanden aus seiner Immersion reissen. Das geht bei einigen Dingen ganz gut (Kleidung), bei anderen eher schlecht (Radiatoren in der Pfadihütte). Gleiches gilt auch für Musik, die zudem einer weiteren Prämisse untersteht, denn Musik muss nämlich am Ende auch dem Spieler gefallen, nicht dem Charakter. Und der Spieler ist nun mal ein Mensch des späten 20igsten oder des 21igsten Jahrhunderts und hat total andere Ansprüche an Musik als dass sie “historisch korrekt” ist. Egal was ich ausgegraben habe, egal wie passend es zu meiner Klamotte wäre – ein Lied, welches belegt für eine Zeit ist, macht es nicht zu einem passenden Larplied. Ich persönlich finde durchaus passende und spannende Lieder beispielweise bei Doppelbock, aber sie werden dadurch nicht larptauglicher. Zwischendurch habe ich immer wieder Lieder gehört, die offenbar umgedichtet wurden. Also, mit neuem Text versehen, fast immer mit einer bekannten Melodie. Gewisse Lieder gehören verboten (Wie “Neunundneunzig Orks“, “Fallera“, usw). Weil das Original verdammich einfach zu bekannt sind. Ihre Melodien und ihr Takt, allesamt alles bekannt. Da gibts noch ne Menge mehr, die stimmt jemand an – und schon ists passiert. Die halbe Taverne gröhlt einen kaputten Schlager oder eine Art A-Capella-Variante einer Metalballade. Zum davonlaufen.

Umdichten ist in Ordnung, aber die Hitparade, die Charts und gängige Klassiker sollten reflexierter betrachtet werden. Schliesslich hat die Larpszene bereits eine Pferdebranle und braucht keinen Gangnam-Style. Ich habe selber Lieder umgedichtet – wenn sie in einer völlig fremden Sprache waren, derer mächtig kaum Spieler sind (Also, kein Englisch/Französisch/Deutsch). Optimal? Wenigstens versuche ich zu vermeiden, dass ich jemanden aus seiner Immersion ziehe.

...zwei Extremen.
…zwei Extremen.

Und ehe das so fertig ist, gleich noch eins drauf: Es gibt eine ganze Liste an Larpklassikern. Für mich als Landsknechtlagerspieler sind das z.B. “Stampedemi”, “Unsere liebe Frauen”, “Das Leben ist ein Würfelspiel”, und noch ein paar Weitere. Hört endlich auf, da die entscheidenden Worte (Ortschaften, Personennamen) auszutauschen. Damit personalisiert man ein Lied, welches jeder kennt, ein allgemeines Lied. Und macht es sich kaputt, mit Anderen zusammen zu singen. Und wenn ihr alleine singen wollt, dann tut das unter der Dusche. Tausendmal lieber ist es mir, wenn alle von einem “fremden” Land singen, beispielsweise “Italien”. Es ist auch bescheuert, zugegeben, aber wenigstens bleibt der Chor gewahrt. Und zu guter letzt: “In Flandern reitet der Tod” ist aus dem Ersten Weltkrieg, “Das Leben ist ein Würfelspiel” ist ’35 entstanden, voll im Führerkult. Und trotzdem war es gut genug, dass die Bundeswehr es mehrfach in Liederbüchern hatte. (Und der Peter Maffay es in die Hitparade brachte.) Wenns euch nicht gefällt, dann sagt es, statt euch wie Nazis zu fühlen. [/Schimpf]

So, das wars für heute.

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