“Grosse” und “mächtige” Larpländer

Das Kaiserreich Cendara hat, laut Homepage, rund fünfeinhalb Millionen Einwohner. Die meisten davon habe ich nie gesehen, denn in den paar Jahren von Cendaras Existenz habe ich zwar einige Spiele besucht, aber bestenfalls ein paar hundert Cendarianer gesehen. Die Zahl hat auch auf dem Spiel wenig Auswirkungen, bestenfalls wissen einige hochadelige Charaktere um die Macht hinter der Zahl.

Würden jetzt ein paar clevere Spieler in der Schweiz einen Gegenentwurf machen, und ein grösseres Reich erschaffen (Homepage aufschalten, hundertundelf Millionen Einwohner und “Militaristischer Nationalstaat” drauf schreiben), um sich aufzuplustern…. würde ich die Leute mit gutem Gewissen auslachen. Denn während die Einwohnerzahl Cendaras wenigstens einen Rahmen gibt, ist jeder Vergleich einfach lächerlich.

Was eine gute (!) Orga ausmacht, ist nicht die Fähigkeit, einen supertollen Hintergrund mit viel Macht darin zu schreiben: Es ist die Fähigkeit, Andere zu begeistern. Wenn der geschriebene Hintergrund so toll ist, dass mittel- und langfristig Leute mitmachen, ihre Spielercharaktere dort ansiedeln und dort sogar selber Spiele organisieren wollen (sozusagen die “Kür”), dann hat man sein Scherflein beigetragen. Egal, ob das Nachbarland auf der Karte viermal so gross erscheint.

Warum? Larp besteht aus Interaktion. Zwischen orgaseitig Arrangiertem und Charakteren und vor allem zwischen den Charakteren selber.  Je mehr geschieht – und zwar auf Con – desto grösser wird das Land. Der mächtigste Fürst ist nicht der mächtig geschriebene (“Ach, er war ein weiser und starker und mächtiger Fürst, über jeden Zweifel erhaben etc pp….”), sondern der, von dem die Charaktere reden. Das grösste Land ist das, von dem alle reden, weil sie daran teilhaben – nicht das, das “mehr Einwohner als Cendara” hat. In einem Satz: Charaktere sind grösser als das Land. 

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