Sprache und ihr Kontext

Fantasylarp heisst nicht nur, sich zu verkleiden und in einer Jugendherbergsburg umher zu hüpfen. Nebst einigen grundlegenden Schauspielfähigkeiten kommt der Sprache eine Bedeutung zu, denn zu einem guten Teil tauschen die Charaktere darüber Informationen aus. Dabei werden gerne Begriffe und Formulierungen weggelassen oder ersetzt, die aus Sicht der Spieler nicht zum Ambiente beitragen. Andere werden stattdessen zugezogen und sollen die Atmosphäre stützen.

Eine solche marktsprech-angelehnte, leicht altmodisch angehauchte Sprache sich bewusst sein muss, dass sie das Spiel beeinflussen wird.

Sprache beeinflusst:

Hinter einem Wort steckt ein Konzept. Eine Ansammlung an Ideen, Gedanken und Informationen, die zu einem Wort gehören und die es in ein System an Bedeutungen einbinden. Dieses Konzept wird sich in einer lebendigen Sprache wie dem Deutschen auch immer wieder verändern, ebenso wie es verschobener Bedeutung bei verschiedenen Menschen unterliegt. Eine gewisse Übereinkunft erhält man, wenn man in einem Wörterbuch nachschlägt: Der Duden hilft. Beispielsweise ist ein Speer nicht dasselbe wie eine Lanze, ein Messer ist kein Dolch und ein Scherge dient keinem guten Zweck. Es gilt also, Worte zu verwenden die die gewünschte Bedeutung tragen und gleichzeitig die Atmosphäre stützen.

Weiterhin benutzen Liverollenspieler im Spiel einen Soziolekt. Damit ist eine Sprachvarietäte gemeint, die von einer bestimmten Gruppe benutzt werden und deren Worte bestimmte Bedeutungen haben. Als Beispiel: „Kurzwehr“ und „Langwehr“ bei Landsknechten für die Stangenwaffen und kurzen Beiwaffen. Das zieht sich aber auch ausserhalb des Spiels weiter: Ein gutes Beispiel dafür ist das Wort „Gewandung“, mit dem gewisse Szenen (Bspw. die Larper) ihre Kostüme meinen – für Künstler die im plastischen Bereich arbeiten, steckt ein anderes Konzept dahinter. Der IT genutzte „Soziolekt“ zeichnet sich u.A. durch eine Abwesenheit von als störend empfundenen Worten aus, teilweise auch durch Formulierungen die sich auch grammatikalisch von der Alltagssprache abheben. Es ist also so, dass Worte und ihre Konzepte durch die Sprecher angepasst werden, gestützt durch den Wunsch die Atmosphäre zu verdichten und das Erlebnis zu erweitern.

Beides zusammen – Konzepte hinter Worten und „Soziolekt“ –  führt leider manchmal zu unpassenden oder sogar falschen Strukturen, die sich wie ein Korkenzieher durch den Kopf fressen: Man weiss, was der Sprecher/Schreiber meint, merkt aber auch dass er scheitert.

Beispiele:

  • Einige (vorher) unbescholtene NSC wurde im Chronik-Text der Orga nach dem Spiel zu „Schergen des Fürsten“, womit sie mitsamt ihrer selbst auch noch den Fürsten diskreditierte. Der weitere Weg wurde somit klar: Ungeachtet dessen, wie die Charaktere agierten, das weitere Spiel wird gegen den Fürsten gehen.
  • Ein „Emporkömmling aus dem Adel“ aus der Spielausschreibung, der sich am Spiel einfach als „neuer Charakter“ erwiesen hat. Mit dem „Emporkömmling“ hatte der Charakter nichts zu tun.
  • „Ein Schober voll Korn“ hört sich richtig an, aber gemeint ist vermutlich „Ein Schober Stroh“ oder „Ein Scheffel Korn“.
  • …tbc

Es geht mir weder darum, pingelig auf die Rechtschreibung zu pochen noch geht es mir darum, jemanden anzuprangern. Ich will darauf hinweisen, dass das Fantasy-Larp nur aufgrund von „Fantasy“ keinen Freibrief für irgendwas bietet, sondern sich mit normalen Menschen begnügen muss. Diese wiederum müssen von der ihr bekannten Kommunikation ausgehen, mit der das Spiel beeinflusst wird – und ein bisschen schlechtes Marktsprech eben nicht ausreicht, um dem Ambiente zu genügen. Wenn die Sprache im Spiel sich ausdrücken will, so bieten sich aus meiner Sicht eher Wortlisten an – das Grosse Heer hat ein gutes Beispiel davon. Gemäss Hintergrund versucht man, Alltagswörter durch passende Wörter anzupassen. Besser als (hinter-)hofhälterisches Geschwurbel wird es allemal sein.

 

Links

Zeit und Geld, oder „Wie man auf beide nicht verzichten kann“

Wenn ich Liverollenspiel als Hobby betreibe, dann brauche ich dafür – vor allem im breiten, grossen und stark vertretenen Fantasylarp – ein Minimum an Ausrüstung. Bereits die Larpwiki-Seite für Anfänger hat überproportional viel Infos zur Ausrüstung zu bieten. Und oft hört man dazu, dass sich „dieses“ oder „jenes“ ganz einfach selber machen lässt. Oder dass man es günstig „dort“ oder „bei diesem Händler“ kriegen kann. Das Hauptproblem dabei ist, dass sich die Larp-Realität (Was für ein Ausdruck) stellenweise deutlich von der anderer Vorlagen – Film, Buch, Bild – unterscheidet. Was also genau „gute“ Ausrüstung ist, braucht schlussendlich Erfahrung, die sich weder auf Youtube noch im Larpwiki holen lässt. Es muss also von irgendwoher Ausrüstung herangeschafft werden. Dazu sind zwei Möglichkeiten vorhanden:

  • Einkaufen! Internetshopping ist ein Hobby, das definitiv glücklich machen kann. Für viel und wenig Geld kriegt man online zwischen historischer Unterwäsche und ledernden Kleidungs/Rüstungsteilen von Runa Rian alles. Schaumstoffwaffen aus Kanada? Kein Problem. Schuhe aus Italien? Kein Problem. Schuhe aus Kalifornien? Kein Problem, bei dem habe ich selber schon bestellt. Und „Alles, was man möchte“ gibt es bei lederkram.de. Auf jeden Fall basiert diese Variante auf Geld.
  • Selbermachen! Ob Nähen, Waffenbau, oder Liverollenspiele organisieren, für alles gibt es Anleitungen. Ob auf Pinterest, Youtube oder per Google-Suche, für Alles findet man irgendwo eine DIY-Anleitung. Es braucht Nähzeug, Nähmaschinen, Ledersonderspezialklebestoff und eine Tricot-Nadel. Vielleicht auch einen „Extra-Spachtel für Larpwaffenbau“. Auf jeden Fall basiert diese Variante auf Zeit.

Mit beiden Varianten kann man, ein bisschen Übung und Erfahrung vorausgesetzt, solide Ergebnisse erreichen. Leider aber scheint immer mal wieder die Idee durchzuschimmern, dass man auch ohne Geld oder Zeit etwas erreichen kann. Doch wenn man auf beides verzichtet, fehlt jegliche Grundlage um an eine Ausrüstung zu kommen, die sich optisch von einer Brockenhaustour, gemischt mit Alternativ-Style und etwas Cachet abhebt und halbwegs plausibel eine fremde Kultur darstellt.

Vor ein paar Jahren gab es über das larper.ning die „50 Tage 100€“ – Challenge, die mehrfach wiederholt wurde (Derzeit läuft etwas ähnliches für das Epic Empires). Dort gab es tatsächlich Leute, die mit wenig Geld viel erreichten. Auch ich selber arbeite oft mit geringem Budget und behaupte, dass meine Ausrüstung durchaus gut bis sehr gut gearbeitet ist. Doch daran ist ein Haken: Niemand der Challenge-Teilnehmer ist mit wenig Erfahrung gestartet. Alle, inklusive mir, mussten über Jahre viel Geld reinstecken (bzw. verlieren), ehe mit der Option Zeit brauchbar gearbeitet werden konnte.

Larp mit Geld geht, Larp mit Zeit geht auch. Mit Übung kann man eines der beiden durch das andere ersetzen: Geld sparen und viel selber machen oder Zeit sparen und viel kaufen. Aber ohne Zeit auch noch Geld sparen, bedeutet meistens einfach nur, dass man Schrott produziert und vor lauter Abstrichen kein Konzept mehr nachvollziehbar aufzeigen kann.

Spielbericht: „Umbruchstimmung“

PS: Solange mein Dateiupload spinnt, wollte ich warten. Habe jetzt aber einfach ein andere Lösung für Bilder genommen. Text ist also jetzt, zur Zeit der Veröffentlichung, Monate alt…

Beschrieb aus dem larpkalender.ch: Seit 37 Jahren herrscht im Reich das Regime der fürsorglichen Kaiserin mit ihren Wächtern des Edikts 27, die immer ein Auge (oder mehrere) auf mögliche Verstösse gegen den technologischen Stillstand im Kaiserreich geworfen haben und unnachgiebig den status quo zementieren. Wenngleich sich hin und wieder einige prominente Stimmen gegen diesen Zustand erhoben haben, so währten diese nicht lange, noch führten sie dazu, dass sich die Massen in Bewegung setzten. Dennoch bedeutet Stille nicht in jedem Fall Stillstand! Diejenige Maschine, deren Getöse und Dampfspektakel am lautesten dröhnt, ist oftmals nicht die gefährlichste. Bereits ein klitzekleines Sandkorn mag genügen, um das Getriebe ins Stocken zu bringen. So rumort es denn auch unter den Menschen im Kaiserreich, heimlich und geflüstert zwar nur, aber dennoch einem Sandkorn vergleichbar. Umbruchstimmung liegt in der Luft…

Und der OT-Abriss im Larpkalender:

Kurzabriss
Wir spielen in der gleichen Welt und zur gleichen Zeit wie das Steampunk-Spiel „Bergfrühling“ der Chipheads. Ihr spielt die Mieter und Mieterinnen des Wohnblocks “Sommerfrische“, am Stadtrand der Kaiserhofstadt. Wohnen werdet ihr entweder in Einzelwohnungen, oder in Wohngemeinschaften, die jeweils durch einen gemeinsamen Hintergrund verbunden sind. Viele weitere Informationen findet ihr auf unserer Homepage steampunk-larp.ch

Location war das Heim der Cevi Wartburg ob Mannenbach am Bodensee. Für ein geladenes Spiel im Haus ist es genial – dort war ich schon für das „Klassentreffen“ und das „Siebenstadt“. Einige wenige Höhenmeter unterhalb des Hauses findet sich ein zweites, kleineres Haus, welches sich prima als NSC-Stützpunkt, Nebenlocation oder Orgaplex nutzen lässt. Aufgeteilt war das Haus In-Time in verschiedene Wohngemeinschaften, welche jeweils ein eigenes Zimmer als Aufenthaltsraum bekamen, dazu eine Arztpraxis, ein Einkaufsviertel, eine Kantine und einen versteckten Raum (hinter einer falschen Wand) im Keller. Geschlafen wurde dazu in 2-5er Zimmern.
Spielerschaft war mehrheitlich älter als ich mir aus der Schweiz gewohnt bin – ich habe wohl eher zu den Jüngeren gehört. Die, mit denen ich gespielt habe haben mich durchaus überzeugt, dass wir in einem Fantasy-Kaisereich eines… 19ten? (oder sowas?) Jahrhunderts befinden.

Arrluk, Sohn des Bären (Foto:lagergrube.ch)
Arrluk, Sohn des Bären (Foto:lagergrube.ch)
Stoffstiefel
Stoffstiefel

Ausrüstung der Spieler war zwischen „merkwürdig“ und „genial“. Ich fand den Hausmeister ebenso wie die beiden Sigristbrüder als einfache Arbeiter extrem passend, auch bei den Ladenbesitzern war ich durchaus begeistert. Etwas weniger kohärent war leider mein eigenes Grüppchen, die Borkentierjäger. Dummerweise kann ich kaum meckern, weil es auch selbstverschuldet ist. Es hatte ansonsten wie immer hochwertigstes ebenso wie schnell geschusterte Lösungen, aber keine Totalausfälle. Ich selber war eine Art indigener Hilfsseemann auf dem Borkentierjäger „Undine“. Dazu trug ich, angelehnt an Fotos von Indianern im 19ten Jahrhundert: Ein Lederhemd, darüber die obligate Weste. Einen Anorak, pelzverbrämt, aber vorne aufgeschnitten und mit walfangverzierten Knöpfen. Sailor Slops, Flensmesser, Bowiemesser, und einen steifen, puritanischen und mit Tand geschmückten Filzhut. Und meine absurden neuen Stiefel.
Dekoration war genial. Viel Aufwand mit vielen Dingen, etwas was mir sehr gut gefällt. (Denn jedes kleine Detail drückt mich ein wenig tiefer ins Spiel). Erster Hand: Die Pappwände, schön bedruckt, welche eine Art Kabuff aus einer Raumecke und einem normalen Tisch macht. So sahen die Pfandleihe und das Postamt sehr schön aus, es hat einem wirklich das Gefühl eines kleinen Tante-Emma-Ladens vermittelt. Bierdeckel passend, Bierflaschen mit einem zusätzlichen Kleber etikettiert. IT-Geld war schön gemacht, hat mir gefallen – zumindest das papierne. Die Muttern (5er-Muttern aus dem Baumarkt) sind nicht so mein Stil…

Politisches, Telegramm, Geldscheine, Pässe und staatliche Lottorielose...
Politisches, Telegramm, Geldscheine, Pässe und staatliche Lottorielose…

Plot war irgendwo auch zu finden. Daher aber die Charaktere vorgefertigt (Bzw, leicht an Spielerwünsche angelehnt) waren, blieben Verstrickungen nicht aus. Gegenstände, Geld, Kryptonit – egal was man bekam, Andere wussten davon und nutzten es gegen und für Andere oder sich selber. Dazu eine Energiequelle, die strahlt, eine Maschine zur Gedankenveränderung, eine dezente Bürokratie und verschlüsselte Nachrichten. Jeder war schuldig, und fast keiner rebellisch. Denn im Kaiserreich herrscht die Kaiserin im Stillstand – und das Land ist Nahe dran, völlig vor die Hunde zu gehen. Leider waren gegen Schluss kaiserinnentreue Charaktere eher Mangelware, was ich echt Schade fand.

Fazit: Ich habe nur Gerüchte von einem zweiten/weiteren Spiel gefunden. Und daher ich das auch vorher nicht wusste, war mein Charakter wohl etwas zusammengestückelt, was die Ausrüstung anbelangt. Wenn ich sehe, was Andere da gebastelt – gekauft – besorgt haben, dann finde ich es schade, dass soviel Aufwand in einem einzelnen Spiel verpufft. Aber der Anorak geht als „lustiges Stück“ in den Kleiderschrank, die Schuhe als „NSC-Stiefel“ in die Kleidertruhe. Der Rest war vorhanden oder ging auf Platz kaputt. Die Ritualsteine, die mein Charakter brauchte, liegen im Keller der Eltern als „Latène-Steinkreis“.

Fotos sind bei carusoworld.ch und lagergrube.de zu finden.

Spielbericht: Ruf der Wildnis

Besser spät als nie…

Spiel von Luis und Maya, beides bekanntere Gesichter in der Schweiz. 14. – 16.10.2011, Ausschreibung im larpkalender.ch, wo auch weitere Bilder verlinkt sind. Kurzabriss der Ausschreibung:

IT-Infos:
In der letzten Ortschaft hast du von einem Boten interessante Kunde erhalten. Ein kleines Dorf an den Hängen des Weltengebirges wird von einem alten Übel heimgesucht. Vieh und vereinzelte Bewohner sind verschwunden. Die Dorfbewohner bitten nun um die Hilfe von Helden, um ihnen in diesen Stunden der Not zur Seite stehen.
Diesem Ruf folgend, bist du aufgebrochen um neue Heldentaten zu verbringen. Mögen Mut, Glück und die Götter dich unterstützen.

Im Vorfeld war ich eher skeptisch. Denn Anfangs waren die Anmeldungen für SC und NSC offen und danach nur für NSCs. Als jedoch diese Plätze gefüllt waren, war die Sperre für Spielercharaktere wieder weg. Ich war stark in Versuchung, mich als NSC ab- und als SC wieder anzumelden. Meiner Meinung nach war dieses Prozedere absolut unsinnig, denn eine Ausschreibung nicht genug NSC-Darstellende anlockt, sollte man sich eher mal über die eigene Aussenwirkung Gedanken machen. „Warum will niemand an einem von mir erstellten Anlass/Spiel eine Nichtspielerrolle übernehmen.

Als ich jedoch angefragt wurde als NSC, habe mich angemeldet. Und Plopp, war ich Dorfvorsteher.

Pjotr
Pjotr Hvreteskrap, Dorfvorsteher

Ist okay, besser als nutzlos rumsitzen, dachte ich mir. Als persönliches Manko habe ich mir eine Wunde aufschminken lassen – und damit versucht, am Freitagabend Heiler, Magier und dergleichen anzulocken. (Was geklappt hat). Das Spiel selber war nicht schlecht, allerdings fand ich, dass zuviel vom Ambiente/Hintergrund einfach den Dorfbewohnern/Barbaren überlassen wurde. Naraka bei den Barbaren hat sich ordentlich reingehängt.
Dazu kam, dass ich vermutete habe dass die Dorfbewohner nach Eröffnung des Plots („Blablabla, wir werden überfallen und sind zu dumm&schwach um uns zu wehren, Bla“) nutzlos werden. Leider habe ich Recht behalten, und so waren die Highlights eher dünn gesät. Bis ans Spielende wurden uns NSCs weder mitgeteilt, wo unsere verschollenen Mitdorfbewohner sind, noch irgendetwas abgesprochen, gefragt oder hinterfragt. (Beispielsweise, ob wir Magische Tore zur Zwischenwelt im Wald wollen – „oh, zu spät, damit werdet ihr schon klarkommen“.)

Eigentlich hätte ich es besser wissen sollen. Es war ein Stück weit generisch, und etwas undurchdacht. Auf jedem Fall weder innovativ noch herausragend spassig. Auch das Heilritual mit „Der Nächste“ hat die Stimmung nicht gehoben – nur der Kürbis als Hausgeist, der hat mich beeindruckt. Was aber vorrangig am Spieler lag, nicht an seiner Rolle. (Das Heilritual war wirklich so! Ja, SO! Mit „Der Nächste!“ Despektierlich für den Chirurgen/Arzt, schade um den eh schon mauen Ruf der Magie)

Naja, vorbei ist vorbei. Die Anreisekosten der Seilbahn waren auch nicht ohne, aber das is halt so…

Was lerne ich da? Mich nicht breitschlagen lassen, wenn ich keine Lust habe. Das ein Spiel auf den Fotos nachher besser aussehen kann, als es in der Errinerung war. Dass die eigenen NSC-Plätze attraktiv sein müssen, damit sie besetzt werden.

Und was denke ich sonst noch dabei? Durch die Cendara-Kampagne ist eigentlich ein gutes Stück gemeinsamer Hintergrund erschaffen worden. Doch bereits jetzt, nach wenigen Jahren, scheren die ersten Spieler/Orgas justement dieser Kampagne/Spielerschaft aus, und organsieren Spieler ausserhalb des Kaiserreiches. Schade, ich habe da auf mehr gehofft – auch bei den Spielern, welche munter in jedem Hintergrund mit denselben Charakteren rumspringen.

Spielbericht „Geschichten aus Dascon“

Wir spielen die erste Etappe einer Pilgerreise, der Weg führt zum letzten Stück des Gebetsteppich des heiligen Victorius. Die Reisenden treffen sich an der ersten Pilgerstation des Weges und ziehen am Samstag Morgen als Gruppe auf die beschwerliche Pilgerreise. Das Hauptaugenmerk der Reise liegt bei der Wanderung selbst und was man dabei im Alltag erleben kann. Gerichtet ist das Con an bodenständige Charaktere.

Kazimir Andrejewitsch Wodirieskoff
Nach meinem Epic-Empires-Flash habe ich zeitnah rumgeschaut, wo ich noch als Ceride rumrennen kann. Bzw, als Kazimir Andrejewitsch Wodirieskoff. Als Knecht vom Herr von Gent bin ich natürlich ein wenig an den Herrn gebunden – kann aber auch in Absprache was machen. So ging der Knecht Kazimir mit zwanzig Pfennigen und dem Segen seines Herrn nach Dascon. Auf dem „Teppichweg“, welcher durch Dascon zum Teppich des heiligen Victorius führt, hat Kazimir eine erste Etappe zurückgelegt.

Das Spiel an und für sich zeichnete sich nicht durch Highlights aus. Auch nicht durch übermässige Props, Plot oder schrecklichen Feinden. Aber durch das durchgehend hohe „In-Time-Gefühl“, dass man sich wirklich in einem Fantasykönigreich befindet. Viele Details waren nicht auszumachen, aber gerade die Wegweiser „Teppichweg“ und die alte Mühle in der die Pilger Mittagspause hatten haben es für mich enorm schön gemacht. Spielstützend, wenn auch etwas offensichtlich platziert war Väterchen Ludwig, der Viktorianer (Ein Pfaff‘). Mit dem Auftrag, die Schreine auf der ersten Wegstrecke instandzusetzen hat er dieselbe Wegstrecke wie die Spielerschaft. Der erste Schrein, den wir als Spieler sahen, war auch schon kaputt… und Väterchen Ludwig hatte kein Werkzeug mit. Er hat sich allerdings schnell gefangen, der Schreinergeselle Max hat eine Axt, und der Auftrag von Ludwig ist zu „Inventar machen“ geworden. Schnell gelöst, passabel und brauchbar. Sägemühle in Dascon, Rhumforte

Das Wetter war durchzogen, aber zumindest meine Stiefel waren sauber eingefettet und brauchbar. Ich habe also keine nassen Füsse bekommen, und dank einem paar Beinlinge drin war es auch warm. Gegen Schluss zog sich die Tagesetappe doch, und die Pilgerstation/Taverne in Sichtweite war ein echt angenehmes Gefühl. Nach einer unglaublichen Taverne am Samstagabend – „Zum alten Borodin“ – mitsamt Exilwolkowen und einem nationalistischen-wolkowischen Liederabend kam am Sonntagmorgen dann die Schelte vom Pfaffen. (Ein gutes Zeichen ist, dass ich mich betroffen gefühlt habe – Emotionen im Liverollenspiel kann man bei mir nicht so schnell wecken.) Errinert hat die Schelte an Berichte aus dem SpäMi, was die bürgerlichen Aufsteiger alles anstellen, gegen welche alle Verbote sie verstossen, ein Stück weit auch an einen beliebigen Prediger, der seinen Schäfchen zum rechten Weg helfen will. Gefallen hat es aber allemal, auch wenn es natürlich im Spiel keinesfalls Lob war. An- und abschliessend zum Spiel wurde dann die geliebte, hochgehaltene, kurze und keinesfalls mühsam-lange Heiligenlitanei doch noch gesungen.

Fazit: Ein kleines Spiel für lyrische Ceriden und dergleichen. Preislich hervorragend, Verpflegung in Ordnung, Spieldichte mit den Mitspielern überwältigend. Da gehe ich gerne wieder hin.

Frauen sind keine Ritter!

Am „Weisse Taube 2“, einem Turnierspiel im Grossherzogtum Niederthal im Kaiserreich Cendara sollte am Freitagabend die Tochter des Grossherzogs zum Ritter geschlagen werden. (Was auch passiert ist, so nebenbei) Einige andere Ritter waren anwesend: Der Herr Tiberius von Triastara, Gawain von Weinbergen, Alfrecht Roderich von Rechstein, dazu meine Wenigkeit als Gaudenz von Boldewyn. Die Tochter, deren Geschichte ich nicht weit ausbreiten mag, war ein NSC, genauso wie der Grossherzog auch. Jillandra von und zu Arntrutz, gespielt von Naraka. Wir haben uns da auch einige Gedanken gemacht wie das zu spielen sei, und am Schluss wars eine ganz nette Szene.

Was mich jedoch etwas irritierte, waren kritische Stimmen vor dem Ritterschlag. Einige der Adligen welche anwesend waren, haben kritische Stimmen verlauten lassen. Eine Frau als Ritter? Geht das überhaupt? Darf die das?

Himmel*****undzwirn. Natürlich darf sie das. Aber an der Sache sieht man gut, wie stark die Leute ihren Outtime-Werten verhaftet bleiben. Nur weil eine Frau in einer Rolle steckt, die belegbar nur von Männern eingenommen wurde. Elende Chauvinisten. Als Heilerin und Elfenbogenschützin ist das Mädel von nebenan recht, als Trossmagd, als Schankmaid oder als „Begleiterin“. Aber sobald sie in eine traditionelle Männerdomäne einbricht, werden absolut unnütze und schon fast beleidigende Worte ausgesprochen. Da sind meiner Meinung nach zuviele falsche Gedanken dabei – denn man hätte genügend andere Punkte gehabt, um Jillandra den Ritterschlag zu verweigern. Aber es wird der einzige Punkt genommen, der outtime daneben ist. Und das in einem Fantasy-Spiel.

Andersrum sollte man auch nicht vergessen, dass sich einige Frauen gerne selber an den Herd zu stellen scheinen. Doch für Liverollenspiel sollte ersteinmal von der Maxime ausgegangen werden: Frauen stehen so nahe am Herd, wie sie selber hingehen.

 

Nur ein paar Gedanken, entstanden aus einer Diskussion im Ning.

Am Samstagsloch sind die Spieler schuld!

Ich freue mich normalerweise auf ein Spiel. Manchmal fast ein Jahr lang, manchmal sagt mir mein Kalender, dass ich mit Charakter X ja in zwei Wochen am Spiel Y bin. Und noch vor ein paar Jahren, als ich ein Frischling war, habe ich mich jeden Abend mit vollster Energie ins Getümel geworfen. Jeder NSCs wurde ausgefragt, jeder Angriff beantwortet und jedes Fitzelchen Papier wurde genaustens unter die Lupe genommen  (Oder mit Waffengewalt nur für den gruppeneigenen Gelehrten zugänglich gehalten). Gegen vier Uhr morgens ins Bett, und um neun Uhr bereits wieder dasselbe von vorne. Doch meistens gegen Mittag, ~12 – 14 Uhr, verlangte mein Körper eine Pause. Ich war halt doch nicht so ein harter Kerl wie mein Charakter. Müde am Tisch sitzend, faul, spielinterne Befehle ignorierend wurde ich zu einem Fall für das Samstagsloch.

Heute bin ich gescheiter. Ich gehe vernünftig zu Bett am Freitag und stehe am Samstag erst auf, wenn ich 6-7h geschlafen habe. Denn so wie ich vor Jahren machen es auch andere noch. Sie geben Vollgas, statt sich und ihren Körper halbwegs zu kennen. Denn das Samstagsloch wird durch ebengerade diese Spieler hergestellt, die ihren Charakteren mehr zumuten als sie als Spieler bieten können. Spielspass entsteht nicht nur, indem man immerzu und bei allen Aktionen (ob sie durch Spieler oder Orga herbeigeführt werden) mit dabei ist. Spielspass kann sich auch über den Samstag erstrecken, wenn man sich bewusst ist, dass „Spielen“ Aufwand ist und somit Ressourcen braucht. Wer sich verausgabt schadet am Samstagmittag dem Spiel, weil er nicht mehr mitspielen kann.

Genauso sollten sich Organisatoren und Spielleiter im klaren sein, wieviel sie ihren Spielern zumuten. Das Samstagsloch wird durch „mehr Plot“ nicht etwa entschärft. Es wird gestützt.