College of Wizardry II

Was ist das?

Das College of Wizardry ist ein Liverollenspiel in Polen, eine polnisch-dänische Koproduktion die zuerst direkt, mittlerweile aber nur noch sinngemäss auf Harry Potter basiert.

Warum „II“ im Titel?

Bereits an der ConTakt haben wir das Video von Claus Rasteed gehypet, deshalb basiert der Beitrag lose darauf. Leider-leider ist aber der eigentlich Anlass nächste Woche das „CoW 4“, dicht gefolgt von „5“ und „6“…

Was mache ich damit überhaupt?

Leider schreibe ich nur darüber. Ich habe während des Semesters keine Zeit, nach Polen zu fliegen – die Präsenzregelung meiner Hochschule ist nicht unbedingt darauf ausgelegt, dass irgendjemand irgendwann fehlt. Somit werde ich dann in den Präsenzlisten unterschreiben gehen müssen. Allerdings geht Isa von Carusoworld hin und bastelt seit Wochen dafür. Ich darf zusehen. 🙁 Also beschäftige ich mich geistig ständig damit.

Zusammenhänge?

Viel zuviele. Ich habe der indiegogo-Kampagne gespendet, bzw. den Perk „Your Own House Portrait“ gekauft. Ich wollte schon immer à la Dumbledore aus einem Bilderrahmen lachen, während Studenten der Magie in den Gängen rumwuseln und sich vor dem Hausmeister, den anderen Häusern, den Lehrern (vor wem läuft Harry eigentlich nicht weg, während seiner Hogwartszeit?) und magischen Untieren verstecken. Ich bastle jetzt am Zauberstab (mit LED!) meiner Freundin rum. Ich stecke ominöse Kleider meiner Freundin ab, die aus meiner Sicht an Luna Lovegood erinnern. Ich gucke weitere Videos von Rasteed und dem Spiel. Zwischendrin habe ich einen Job und eine Vollzeitstudium, manchmal bastle ich auch etwas…  und statt Cons zu besuchen – die Situation in der Schweiz ist sehr mager, derzeit – informiere ich mich über Liverollenspiel ganz allgemein. Dabei entstand der Artikel über österreichsche Bastler, der Linkbereich wurde etwas verändert und… dann ist da ist noch Mo Mo O’Brien aus Kanada. Ich gucke ihren Vlog hin und wieder, genauso wie den ihrer Kollegin. Aber dann kam Mo Mo und meinte, dass sie die Möglichkeit hätte, ebenfalls nach Polen zu gehen… Ticket gratis. Fürs CoW. Leider wohnt die Frau in …. Ontario? Das Dilemma wird dann verarbeitet:

 

Naja, wie könnt’s auch anders sein: Ich habe auch da gespendet. Diesmal aber nur 5$, mehr lag einfach nicht drin…. Aber es freut mich, dass sie es geschafft hat. Das einzige, was wieder nicht dabei raus springt ist irgendwas für mich. Ich freue mich also auf die Spielberichte und Fotos eines Spieles, dessen Existenz seit Monaten in meinem Kopf ist und an dem ich nicht teilnehmen kann. Ziemlich frustrierend, kann ich also sagen…

Daraus folgere ich:

  • Wenn klar ist, wozu das Geld dient, bin ich spendabler. Ob ich es aus Vorerfahrung oder per Homepage herausfinde, sei erst einmal nebensächlich.
  • Meine Hackfresse ist nichts für Vlogs. Ich muss mich auf Schreiben verlegen. Ob Jupp aber vielleicht einmal seinen Podcast-Plan umsetzt….?
  • CoW: Mit dem richtigen Team und einer Vision läufts. Ich suche noch die Vision…
  • Jens Scholz mit seinem „Das deutsche Larp redet nicht über sich!“ hatte vielleicht wirklich recht – warum hallt das CoW oder vergleichbare Projekte so wenig bei uns nach?
  • ..
  • .
  • Larp ist auf Con. Ich war diesen Herbst wenigstens noch am Unland, wenigstens dazu reichte das Geld…

 

Spielbericht zum Unland folgt bald oder nicht. Vielleicht verprochen!

Neue Links – Österreichische Larpbastler

Seit einer ganzen Weile habe ich Mimins Blog verlinkt. Mimin ist mengenmässig einer der spektakulärsten Liverollenspiel-Bastler, die ich kenne, der Mann scheut offenbar kein Material und keine Vorlage. Selber beschreibt er seinen Blog folgendermassen:

Dies ist ein Blog in dem ich meine Bastelarbeiten vorstelle. Ich führe damit nicht nur eine Art Basteltagebuch, sondern dokumentiere auch ein wenig meine Fortschritte. Außerdem möchte ich damit gerne Leute inspirieren. Natürlich will ich nicht, dass meine Ideen kopiert bzw. 1:1 nachgemacht werden, aber ich denke, es ist schön, wenn man andere durch seine eigenen Kreationen motivieren kann. Darum beantworte ich gerne Fragen und freue mich auch sonst über nette Kommentare und konstruktive Kritik.

Sehr empfehlenswert dort finde ich den Buffcoat, der auf Raubis Buffcoat basiert. Ebenfalls spannend finde ich die Kaltbrünnierung. Und zum Schluss noch die Startseite von Mimins Bastelblog.

Geht man der Sache etwas nach, findet man weitere Blogs in ähnlicher Manier. Also, weiter!

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Celefindel’s Creations, im Vergleich zu Mimin eher stofflastig und verspielt. Wo Mimin mit Kaltbrünnierung denkt, arbeitet diese Frau mit Wollfäden. Selber beschreibt sie den Blog folgendermassen:

Hier präsentiere ich euch meine Nähereien und Basteleien aus eigener Hand. Fragen dazu werden gerne beantwortet! If you like to ask something about my handmade projects feel free to contact me! I’ll try to write everything in English too.

Hier empfehle ich der bereits in Stoff geübten Frau das Korsett-Tutorial, und ganz allgemein habe ich auch plötzlich das Gefühl, ich bräuchte für jeden Charakter ein Taschentuch.

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Der nächste Blog: Greyxis Larpklumpat. Der wiederum macht eine ganze Menge in Schaustoff. Auch sein Beschrieb selber zeigt das ziemlich klar:

Beim Larp sind Waffen, Masken, LowBudget-Gewandungen, Gimmicks und Theorie meine Steckenpferde. Der Blog dient dazu meinen Output auch nach außen zu tragen, damit nicht alles im Keller verschimmelt.

Tatsächlich hat der Mann eine Menge Schaumstoff in Arbeit. Ob er dazu neigt, wie jeder halbwegs engagierte Schaumstoffbastler plötzlich alles daraus machen zu wollen? Die Stücke sind nicht von Sander, aber brauchbar. Wer gerne in seinem Lager larpt, der sollte sich die Fechtfedern angucken, ansonsten lohnt sich ein drüberscrollen auf jeden Fall: Greyxis Larpklumpat.

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Dann weiter zu einem meiner Lieblinge „Fuck Yeah Basteln„. Kreativer Titel? Sch…egal, der Mann gehört zu denen, die Alles können. Eine ganz grosse Ansage ist aus meiner Sicht der Beitrag „Ich baue mir selber eine Sänfte, in der man mich umhertragen kann„, ganz neidisch war ich auch auf die Töpferwaren. Das Beste zum Schluss – hier ist noch das „Alphabet der Götter„, das mich ebenfalls zum Nachdenken brachte. Sowas will ich auch mal haben.

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So das war es für heute: Eine ganze Menge Links auf „Sachen die Andere gebastelt haben“. Wenn man sich bei den jeweiligen Blogs im Blogroll austobt, geht diese in-sich-selbst verlinkte Community übrigens munter weiter.

Parallelgesellschaften im Spiel

Anlässlich der Debatte in Deutschland bezüglich der Einwanderer / Flüchtlingen / Asylsuchenden / Einreisenden… [setze deinen politischen Term hier ein].

Sind wir als Liverollenspieler nicht immer wieder Immigranten?

Oder bitten wir um Asyl? Aus einer Laune heraus: Wenn ein Immigrant in sein neues Zielland kommt, so hat er mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Alle, die schon einmal über längere Zeit im Ausland waren, kennen das Phänomen: Ganz simple Alltagsdinge sind furchtbar faszinierend, weil sie sich einfach von den bekannten unterscheiden. Und so ergeht es uns, ob wir wollen oder nicht, gegenüber einem Larphintergrund. Wir wandern ein, (Starten das Spiel) und fangen an in bester Manier, indem wir uns jemandem vorstellen: „Mei, Grüess di, ich bin der Bauer Jupp und wollt’s mir ma n schönen Abend hier machen. Wie heisst’n du?“ Und das gegenüber erwidert: „Mae Govannen, Fremder. Nur meine heutige Grossmut lässt zu, dass du weiterhin hier sitzen bleibst.“ Alternativ auch: „Ey, wir spielen schon!“. Irgendwie entsteht Reibung durch unterschiedliche Auffassung vom Hintergrund. Jeder der beiden hat das Gefühl, er sei der Einheimische. Und jeder der beiden glaubt, der Andere sei „fremd“ hier, schliesslich kennt er die Bräuche nicht. Ungefähr so fühlt sich wie der Immigrant, wenn er an der Coop-Kasse zu feilschen versucht. Oder wie der Bauarbeiter, der zwischen Elf und drei eine Siesta machen will. Vielleicht aber auch einfach wie der Mann, der verzweifelt den „Omnibus nach Worb“ will, nichtsahnend dass die Einheimischen das Transportmittel „Bähnli“ nennen und er es deswegen nie finden wird…

Spieler sind immer mal wieder Immigranten, und wenn niemand die Immigranten integriert, bilden sie Parallelgesellschaften. Und weder die Gesellschaft noch die Spielerschaft braucht ihr China-Town oder ihre geschlossene Heldengruppe, schliesslich ist es – zumindest im Liverollenspiel – ein „Miteinander“, nicht ein „Nebeneinander-und-ihr-macht-alles-falsch“.

Kein Highlight, aber ich werde mich bemühen, einen Einwanderungstest zu bestehen. Wenn er denn vorhanden ist. 😉

Kurzbesuch „New Hope“ & der Mangelmangel

Beschrieb aus dem larpkalender.ch:

Egal ob du Mörder, Dieb oder Schmuggler warst, ob du illegale Experimente durchgeführt oder einfach nur die falsche Person schräg angeschaut hast. Aus irgendeinem Grund bist du im Gefängnis gelandet.

Jedoch nicht für lange: Die Gefängnisse sind hoffnungslos überfüllt und um Platz zu schaffen, werden du sowie einige deiner Mitgefangenen kurzerhand aus der Stadt verbannt.

Mit nur wenig Vorräten, Munition und Waffen gibt es für euch nahezu keine Überlebenschance… ausser ihr versucht euer Glück in der Freistadt New Hope!

Ich hatte zu der Zeit im echten Leben soviel zu tun, dass ich nur einen Kurzbesuch am Samstag gemacht habe und als Handwerker „Kessler“ in der New Hoper Schmiede mitgearbeitet habe. Daher auch nur ein paar kurze Gedanken und Rückblicke zum Spiel. Ablauf war, soweit mir bekannt, angedacht als Endzeit-Handelsstützpunkt, grossmaulig „Stadt“ genannt, die als Zufluchtsort für eine ganze Menge Flüchtlinge dient. Eingebettet zwischen Megaspiez und Neojura, die beiden grossen Siedlungspunkte im Gebiet der ehemaligen Schweiz. Die Integration der Flüchtlinge und das Schrottsammlerleben, das Strahlenmedizinschlucken und das Handeln-um-Müll waren aus meiner Sicht die Hauptaktivitäten. Ich weiss allerdings von einem überspannenderen Plotstrang mit einigen gebrieften Charakteren. Die Location war die alte Bunkeranlage in Gurmels, in der schon Schwert und Feder, der Düdinger Rollenspielverein seine Darignal-Spiele teilweise veranstaltet hat. Ich errinere mich daran, als Kasta-at, Ork, Dunkelelfen aus Bunkern gescheucht zu haben. Die Unterkunft des New Hope war dementsprechend in diesen Bunkern, was ein cooles Feeling gewesen sein muss – für jene, die übernachtet haben.

Schmiede New Hope
Schmiede New Hope

Meine Gang! Wir betreiben eine Schmiede in der Stadt und bauen aus allem, was Russen aus dem Wald ziehen, Sachen. Wir besetzten die Nische, zu der Schrotter gehen, wenn sie etwas gefunden haben. Viel Werkzeug und viel Know-How und ne Spielerin und drei Spieler, die gerne Basteln. Das hat Spass gemacht.

Was ich mir erhoffe, ist ein zweites Spiel in dem Setting, bei dem der Mangel ernster genommen wird. Es war eher ein bisschen abgerissenes Camping, was viele Spieler betrieben. Der elende Drang nach Gold (Wasser, Dosenfutter, Metall, Munition ….Öl) war kaum spürbar. Ich habe mir Endzeit vorgestellt, dass man aus dem was noch da ist Sachen für die Erleichterung des eigenen Lebens bastelt. So ein bisschen, wie dass das Buch Die Welt ohne uns zeigt. Einen Schuss Waterworld mit einer Tomatenpflanze. Einmal A Boy And His Dog im Abspann, mit einem hübschen gemusterten Baumwollstoffverband. Einmal Känguruhmutanten, welche Wasser suchen… oder auch nicht, es würde mir reichen, wenn sonstwas nötig wäre. Einmal den Cargokult um „St. John“, wie wir ihn mit „Philips“ dezent betrieben haben.

Es sei jedem dahingestellt, zu sehen wieviel Mangel an was er haben will. Aber ein Mangel daran sollte nicht herrschen.

Ich empfehle heute einige Vorlagen, die sich mit dem Thema „Mangel“ beschäftigen.

  • Tankgirl, ein Film basierend auf einer Comicvorlage
  • Waterworld, in dem nicht nur der Cargokult um St.John, sondern auch Mangel an Erde sichtbar wird
  • Die Welt ohne uns, das schon erwähnte Sachbuch. Stöbern reicht, macht aber Spass.
  • Der Pelbarzyklus, eine ältere Literaturreihe über eine Welt, die komplett in Stammesgesellschaften zurückgefallen ist. Leider sehr amerikalastig. (Nur als bestimmt bald verfallender Amazon-Link)
  • The 100, eine Teenie-Serie. Guckt euch die Grounders an. So sieht man aus, wenn man zusammenkratzen muss, was übrigblieb. Und so lebt man, wenn man die Technologie verloren hat: Jäger und Sammler.

Naja, sehr unstrukturiert heute, aber das New Hope war schön. Es hat mir im Rahmen meiner Gang gefallen und ich finde das Verhalten der Orga ziemlich gut. Gerade der Fragebogen am Schluss, der vorbereitet wirkte und der Entschluss, von dem ich hörte („Endschlacht war nicht mehr plausibel, die fiel deshalb aus.“) machen da rechte Pluspunkte.

Bald wieder?

Drachenfest – Review Tagesanzeiger

Der Tagesanzeiger hat einen Bericht über das Drachenfest online. Im Print ist er für den Mittwoch, 2.September drin, für alle die ihre maximale Anzahl an Artikeln im Tagesanzeiger diesen Monat noch nicht überschritten haben, ist hier der Link.

Der Artikel gefällt mir, ist ziemlich differenziert geschrieben und hat – für Besucher des Drachenfestes zumindest – eine ziemliche Fülle an Informationen gleichzeitig, ohne in einem Szene-Eck ver-freakt zu wirken.

Von guten und schlechten Ceriden.

In einer kurzen Diskussion im Nachbeben des Landsknechtslagers kam der belustigende Spruch auf: „Wie ihr immer zwischen guten und schlechten Ceriden unterscheidet.“ Naja, das tun „wir“ tatsächlich. Und zwar auf zwei Ebenen, die beide Interessantes beleuchten. Zuerst die IT-Ebene, anschliessend die OT-Ebene.

Erklärung

Im Spiel ist das Ceridentum eine gespielte Religion, „die äußerlich stark an das Christentum erinnert, um ein besonders mittelalterliches Ambiente zu fördern. Trotzdem ist es eine Fantasy-Religion mit eigener Theologie und soll auch als solche verstanden werden.“, direkt aus dem larpwiki.de zitiert. Im Kern handelt es sich um die Lehre des Eynen, der seinen Gläubigen einige Regeln abverlangt. Prominent an dieser Stelle sind die Gesetze, die das Zusammenleben zwischen Herrn und Knecht regeln und jenes, das die Magie ablehnt. Das Bespielen kann, bei einer gesunden Mischung aus moderatem und konsequenten Handlungen, durchaus Spass machen. Ich persönlich mag es, weil es an ein Liverollenspiel angepasst ist und die meisten seiner Kulthandlungen auf Platz („auf Con“) benutzt werden können. Doch was macht einen guten Ceriden aus?

Im Spiel

Das Ceridentum hat eine oftmals gebrauchte Heiligenkultur, dazu steht im Zentrum die Verehrung des Eynen. Die Heilige decken praktisch jeden Aspekt ab. Doch für die Spieler, beziehungsweise die Charaktere, sind vor allem die Manifeste wichtig:

Augenkreuz
Augenkreuz

Das Erste Manifest über den Eynen:
Gebe Deinem Gott Keinen Namen ,
Denn Er ist der Einzige und Wahre.
Das Zweite Manifest über die Tugend:
Scheide das Gute Wohl vom Bösen,
damit Du sicher wandelst auf dem Pfad der Tugend.
Das dritte Manifest über die Hexerey:
Meide Hexerey und Zauberey ,
denn sie störet die Ordnung der Welten
und ist das Werk des Bozephalus.
Das Vierte Manifest über die Mission:
Helfe Deinem Nächsten,
den wahren Glauben zu erkennen,
damit auch er der Weisheit
des Eynen teilhaftig werde.
Das Fünfte Manifest über den Schutz:
Beschütze Deine Begünstigten,
so wie auch der Eyne Dich beschützet,
denn der Starke hat die Pflicht,
den Schwachen zu schirmen.
Das Sechste Manifest über den Gehorsam:
Gehorche Deinem Oberen,
wie Du dem Einen gehorchen mußt,
denn Er ist der Herr der Herren.
Das Siebte Manifest über den Eynen:
Erstrebe stets die Gunst des Eynen,
denn Er ist der ewige Richter
über Leben und Jenseits.

Damit kann der Charakter gut einteilen, was er tun soll, und was er wirklich meiden sollte. So zum Beispiel das Sechste Manifest: „Gehorche deinem Oberen“. Damit sind auch Taten gemeint, die nicht unbedingt einem modernen, westlichen Sozialverständis entsprechen: Meint der Herr zu seinem Knecht, dass dieser jemanden erschlagen soll, so ist eine Verweigerung der Anweisung nicht einfach eine Ablehnung einer aus seiner Sicht falschen Anweisung, sondern schadet direkt dem Nachleben des Knechtes. Denn hier kommen wir zu einem weiteren Punkt: Die Taten eines Ceriden werden über sein Leben hinweg gesammelt und am Ende, nach seinem Ableben, steht der Ceride vor Cadorus, dem Richter. Dieser hat eine Waage, auf der er die guten gegen die schlechten Taten aufwiegt. „Gut“ sei, was den Manifesten entspricht, „schlecht“ was ihnen widerspricht. Hebt sich die Schale mit guten Taten, dann wird dem Ceriden ein Blick auf die Himmlischen Auen gewährt, und er kann in einem höheren Stand wiedergeboren werden. Brave Knechte werden zu Rittern. Oder noch spannender: Folgsame Knechte eines ceridisch schlechten Ritters sind gute Ceriden. Überwiegen die schlechten Taten, so wird der Ceride in einem niedereren Stand wiedergeboren. Taten können allesamt nur aufgewogen, aber nicht vergeben werden, der Ceride geht „zur Wägung“, welche ohne ein „Wägegeheimnis“ auskommt. Ihm wird nicht vergeben, sondern der Priester hilft ihm, gute Taten zu vollbringen, durch Ratschläge-Anweisungen. Damit gelingt nahtlos die Überleitung….

Ausserhalb des Spieles
Oben zitiere ich „äußerlich stark an das Christentum erinnert“. Da steckt eines der Hauptprobleme des Ceridentums, hinter diesem einen Hinweis. Denn es erinnert wirklich an das Christentum. Und so meinen immer wieder Spieler, sie können mithilfe eines oberflächlichen Ceridenanstrichs ihrer historisch inspirierten Klamotte einen letzten Schliff geben. Leider ist dem nicht so, und man trifft immer wieder auf schlechte Ceriden, die munter christliche Konzepte wie „Beichte“, „Vergebung“ oder auch „Taufe“ mit vermischen. Dem entgegen stehen meistens bereits Konzepte, die sich in der Spielwelt attraktiver gestalten und die besser genutzt werden können. Lasst also das kreuz und quer vermischen. Die Grundregeln des ceridischen Zusammenlebens werden einem Charakter während seiner, wo auch immer stattfindenden Sozialisation, beigebracht. Ein schlecht informierter Ceride ist einfach unplausibel, denn der Reiz dieser Religion ist das „Spiel mit Anderen“, vor allem auch mit Nicht-Ceriden. Also Vorsicht mit dem unreflektierten Übernehmen von christlichen Ideen und werten.

Zum Schluss
Ich selber spiele gerne Ceride und mag es, die Manifeste zu nutzen um meinen Charakter in ein Dilemma zu bringen. Ich glaube auch, dass das Konzept erst richtig aufblüht, wenn man an seine Ecken und Kanten stösst und wenn Spieler auch im Spiel Nachteile in Kauf nehmen, um ihrer Religion treu zu sein. Ich mag es, mir Outtime Unbekannte zu Grüssen; „Er weilet unter uns“, um mich dann an der Entgegenung „Zu allen Zeiten“ zu erfreuen. Es bietet mir eine gemeinsame Grundlage zum Spiel mit Anderen. Denn die Manifeste sind kein Geheimnis, das nur im Unterforum der Larpgruppe auf ihrer Gratishomepage besprochen wird. Die Manifeste sind die sich selber gegebenen Schranken im Sinne des Charakter – Kryptonits.

Nach dem Drachenfest als Ceride gehe ich jetzt ans Epic Empires: Mit meinem Teppich in die Santa-Clara-Vorstadt, um dort nach allen Regeln der Kunst ein guter Ceride zu sein.

Anhang: Kleines Manual des wahren Glaubens Weil die NL-Page und das Ceridenwiki schon lange down sind. Damit lernt man viel, wenn man sich dann auch noch einen ceridischen Priester auf Platz zutut, wirds was werden. Und zwar mit einer nicht ganz üblichen, aber dichten und atmosphärischen Spielreligion.