Spielbericht: Unland

Ein Spielbericht der anderen Art.

Der Beschrieb aus dem larpkalender.ch ist heute nur verlinkt, weil er doch zu umfangreich scheint. Ich versuche mich an einer Zusammenfassung: Das Imperium von Ardun möchte das von den Targ bewohnte Gebiet südlich seines Herrschaftbereichs einnehmen. Spielercharaktere gehören tendenziell zur Expedition, aber die Ausschreibung zeigt auch dass es Plätze für die Targ gibt. Ich habe mich, wie derzeit üblich für Spiele die ich ungenau einordnen kann, als Frekke Jorrundson angemeldet. Frekke ist sehr wandelbar, diesmal habe ich ihn als Söldner ausgelegt. Aus einem früheren Eburswin-Spiel kannte Frekke sogar noch einen anderen Charakter, den Söldner Johann – letztes Mal bezahlte Frekke Johann, diesmal dienten beide demselben Herrn.

Frekke und Johann
Frekke und Johann

Ablauf: Samstagmorgen um neun Uhr besammelten sich die Spieler im Zürcher Oberland. Der Abholdienst am Bahnhof hat geklappt, anschliessend liess man mich zwar mit der Aussage „Es kommt gleich jemand“ stehen, aber ich war in der Lage selber nachzufragen was zu tun ist. Umgezogen und mit einigen grundlegenden Informationen versehen – wie zum Beispiel „Hallo zusammen!“ – ging es dann zu Fuss den Berg hoch. Zumindest das Fussvolk, der Anführer der Expedition war hoch zu Pferd (!). Er hat Viererreihe und Disziplin verlangt, leider liess die Strasse das eine und die Spieler (Oder die Charaktere?) das andere nicht zu. Im Lager dann haben sich die Charaktere die Zeit vertrieben und unter Angriffen der Targs drei mächtige Steine gesucht, mithilfe derer ein Banner geweiht wurde. In der Zwischenzeit beschworen die Targs einen Dämon, doch zufälligerweise könnte man den Dämon wieder binden, indem man das geweihte Banner in den Opferaltar der Orks rammt. Im folgenden Durcheinander wurden allerdings beide Banner vernichtet – eines hat der Frekke leider angefasst und wurde in absolut klassischer und „unerwarteter“ Manier umgedreht. Ein Elfenprinz hat aber den Sieg der Targs gerade noch verhindert. Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr war es vorbei. Irgendwo ist auch einmal eine Druidin aufgetaucht und hat Informationen gegen Würde getauscht – leider war Frekke zu dem Zeitpunk abwesend. Location war eine Wiese und der umliegende Wald im Zürcher Oberland, leider nicht (mehr?) per Auto erreichbar. Unspektakulär, denn die Kerbtäler sorgen für ein sehr forderndes Gelände mit viel Strassenlaufen, die Nagelfluh hingegen hat mehrere schöne Höhlen ermöglicht – in einer davon wohnten die Targ. Unterkunft war in den Zelten der Spieler, Bodenblache und etwas Platz reichten aus, zudem wurde bei Zelt bringende Spieler der Teilnahmebetrag reduziert. Der

Plot hätte aus meiner Sicht mehr imperiale Struktur vertragen, so war es stark ein Gut-gegen-Böse – Spiel, mit Targs gegen Elfen und Menschen. Das Essen von der Orga war schmackhaft, ausreichend und durch einen Korb Äpfel war auch die Zwischenverpflegung gesichert. Bier und Met am Samstagabend war im Preis mit drin. Kommunikation mit der Orga war gut, ich bekam Antworten auf meine Fragen und alles was ich wissen musste – wer/wann/wo/wie – per Mail. Sogar ein Brief kam vor dem Spiel an, nur mit dem Hinweis dass mein Charakter aufgeboten für die imperiale Expedition sei. Toll! Dann, zuletzt noch, die Spielerschaft: Sowohl als auch. Zwischen Engagement und Behelf, zwischen Erwartungen und Erstaunen. Spielerisch sah ich, mit Ausnahme bei den Kämpfen, eher Zurückhaltung.

Unland Einladung
Unland Einladung
Fazit: Durchzogen bis gut. An vielen Stellen schimmerte durch, dass es zu den ersten Veranstaltungen der Orga zählt. Allerdings sah ich an vielen Stellen Aufwand, beispielsweise: Die Orga fragt, ob alles okay sei. Plot wurde geschrieben und ist sichtbar. Schriftrollen mit Effekten sind im Gelände versteckt. Der Expeditionsführer ist hoch zu Pferd. Eine Einladung, die per Post kam.

Kommentar Ende Jahr
Normalerweise schreibe ich auf, „was hat mir gefallen“ und „was hat mir nicht gefallen“ – diese Mal lasse ich das weg. Das Spiel fand im Oktober statt, also sind bereits Wochen vergangen ehe der Spielbericht online ging. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die Orga ihre Sache gut gemacht hat – mit etwas mehr Erfahrung, die auch im Besuch von Spielen erworben sein könnte – wäre noch viel mehr möglich. Ich selber hoffe, dass die Geschichte weitergesponnen wird und dass ich mich beteiligen kann – denn, wie immer mit Abstrichen, Spass hat es gemacht.

Die Homepage der Larpfactory deutet zumindest darauf hin, dass wieder etwas stattfinden wird:

2016: Februar/März: Kleinlarp in Planung, weitere Infos folgen Juni/Juli: Weiterführung der Unland-Kampagne

Das wird super, bin ich ziemlich sicher.

Sonntag – Besser als „Lord of the Rings“ – Orks!

Achtung, der verlinkte Artikel ist auf Englisch. Der Titel aber lautet ungefähr: Orks auf dem Epic Empires lassen Mordor wie spielende Kinder erscheinen. Was sagt man dazu?

Kommentar: Es ist „nur“ ein Online – Magazine. Aber das „deutsche Larp“ geniesst einen guten Ruf im Ausland, und nur schon aus dem Titel spricht der blanke Neid. Wo aber reden wir selber über unser Larp? Und damit meine ich nicht Aussagen in Foren wie „Das war cool!“, und „Wir haben uns amüsiert!“ oder gar: „Wann ist das nächste?“. Damit meine ich auch nicht diskrete Gespräche zwischen Tür und Angel am Sonntagmorgen, sondern ganz generell: Wo reden wir mit einem Schritt Abstand über unser Larp?

Spielbericht: Oriosa 2 – „In den Schatten“

In den Schatten” – unter diesem Schlagwort haben Naraka&Isa das zweite Oriosenspiel organisiert. Kurzer Hintergrundabriss: Das Volk der Oriosen wird seit langem von einer furchtbaren Hexe aus dem Norden unterdrückt. Die stiehlt Kinder, lässt Korn faul werden, macht Wein sauer und ist ganz und gar schrecklich. Sie hat als Helfer und Diener die orkisch angehauchten „Schnatterer“. Die Thronanwärterin des Volkes der Oriosen ist im Exil (Die eigentliche Oriosenspielergruppe), und die Wenigen, die Widerstand leisten, haben sich am ersten Oriosenspiel getroffen um nach mehr als hundert Jahren ihr Land zurückzuerobern. Im zweiten Spiel ging es um ein altes Artefakt, welches gegen Kytrins Macht eingesetzt werden könne. Gerüchteweise in einem Grab versteckt.

Schnatterer (Bild:lagergrube.de)

Location war die Storchenegg oberhalb Stegs im Tösstal. Mir selber gefällt vor allem das sehr rustikale Haus und die grössere Wiese, rund zehn Gehminuten vom Haus entfernt. Auch ein Bach und einige Zuflüsse – teils mit Wasserfall – sind gut erreichbar, so dass ich mir mehrfach sagen musste dass ich gerne im Sommer einmal dort oben spielen würde. Vor allem, damit ich baden gehen kann. Spielerschaft war natürlich die SC-Spielergruppe der Oriosen, durchmischt mit einigen Festrollen-NSCs und den Verbündeten der Oriosen, der Spielergruppe „Amaroquianer“ und eine einzelne Okranellin. Da das Haus selber einen Handelsposten, besetzt von den erwähnten Schnatterern darstellte, kommt eine NSC-Schnatterergruppe als Unterdrücker dazu. Für den Plot noch „auswärtige“ Truppe Schnatterer, welche auf der Suche nach dem Artefakt ist. Natürlich im Auftrag Kytrins. Zwei, dreimal haben die Schnatterer leichte Differenzen ausgespielt, ansonsten haben sich die einen im Haus und die anderen im Gelände herumgetrieben. Plot bestand vor allem aus der Aufgabe, dass Artefakt zu finden. Ebenfalls von der Spielleitung initiiert war ein brutales Unterdrückungsspiel der Schnatterer-NSCs gegenüber den menschlichen Spielern. Das reichte von Volkszählung bis zu Brückenbau, ich selber empfand es aber als weniger hart als das Gefängnisspiel „Swiss Guantanamo“ vor ein paar Jahren. Ich selber bin – mit meiner alten Orkausrüstung – als Schnatterer der auswärtigen, artefaktsuchenden Truppe dabei. Nachdem wir am Freitag per Zufall im Wald das besagte Grab gefunden haben, brachten wir – absichtlich – das falsche Artefakt in den Handelsposten. (Die Grabkugel, eine Art oriosischer Grabstein). Tja, gab ärgerliche Schnatterer, aber wir wussten ja dass es wesentlich cooler wäre, wenn die Spieler das Artefakt finden. Trotzdem haben die suchenden Schnatterer am Samstag mehrere Alternativideen ausgebrütet, um Spiel um das Artefakt zu erschaffen. Nicht notwendig, wie sich herausstellte. Nicht nur der blaue Artefaktstein, auch ein altes Schwert haben sich die Oriosen unter den Nagel gerissen und an der Besatzungsmacht vorbei ausserhalb des Landes geschafft. Super, wie gehofft. Nicht einmal der ehemalige Besitzer des Schwertes, ein eher unfreundlicher Geist konnte ihnen den Erfolg streitig machen.

„Freudig“ sammeln die Oriosen Holz für die Schnatterer. (Bild:JHMattle)

Unterdrückung hat ganz gut funktioniert. Es ist brisant, wenn man eine Gruppe Leute permanent unter Druck setzt – und sei es nur gespielt. Ich weiss, dass man auch als fieser Unterdrücker damit seine Probleme haben kann, mir ging es ja so. Deshalb sind Pausen ganz wichtig, auch eine gewisse Toleranz war in Ordnung: Ich weiss ja Out-Time, dass die SCs etwas ausbrüten, und ich weiss das es so erwünscht ist. Also kann ich bewusst auch mal wegsehen. Dagegen konnten – und haben – Spieler sich auch gemeldet, als sie ‚mit nicht mehr klarkamen. Um die haben wir Schnatterer dann einfach einen Bogen gemacht. Wie ich glaube, ist die Situation im besetzten Land aber trotzdem gut gesehen und dargestellt worden – gerade die „Steine-Klopfen„-Aktion hat mich da sehr gut gedünkt – leicht errinernd an die Daltons aus Lucky-Luke, eine sinnlose und anstrengende Tätigkeit.

Nebenbei noch – Essen war sehr einfach, aber ich bin Maya, der Küchencheffin sehr dankbar dass sie sich dessen angenommen hat. Heisses Wasser war da, Getränke standen bereit. Das gehört zur Organisation, und an der kann ich auch nichts herumkritteln. Lief eigentlich gut, gerüchteweise musste jemand auf den Shuttle warten. Aber wenn das alles ist, was ich ankreiden kann, dann ist wohl sonst nichts aufgefallen. Wobei: Einige wären wohl froh gewesen, dass sie gewusst hätten, dass im Haus keine Dusche ist. Aber für das Abschminken bekamen wir trotzdem schnell warmes Wasser. Und wenn ich schon dabei bin – der Abgang (Oriosische Flucht) gefiel mir irgendwie nicht, aber das ist reines Bauchgefühl, also unerheblich.

Fazit: Gelungenes zweites Kapitel, ich habe gut und viel Spass gehabt. IT durch mein Grüppchen, OT auch durch einige nette und lange Gespräche. Leider werde ich beim dritten Kapitel fehlen, aber ich darf auch mal ein Spiel nicht besuchen. Bilder hat es im larpkalender.ch verlinkt, Spielberichte und derlei im Oriosenforum.